So kommen Bankkunden ohne eine Gebühr an ihr Bargeld

Berlin  Oft fallen für das sogenannte Fremdabheben Kosten von bis zu fünf Euro an. Doch Bankkunden können dies umgehen. Ein Überblick.

Ein Bankkunde hebt mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. Was gibt es zu beachten?

Ein Bankkunde hebt mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. Was gibt es zu beachten?

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Die Akzeptanz von Bezahlvorgängen mit Karte oder Smartphone steigt. Doch in Deutschland lacht noch immer das Bargeld: Jeder Verbraucher hat einer Studie der Europäischen Zentralbank zufolge im Schnitt 103 Euro im Geldbeutel – so viel wie kein anderer Europäer.

Weil es teuer ist, das Netz aus fast 60.000 Bankautomaten zu unterhalten, kostet das Geldabheben immer häufiger Gebühren. Und die können ziemlich ins Geld gehen. Wir erklären, wie Verbraucher kostenlos an Bargeld kommen.

Girokarte

Die Gebühren für das Geldabheben mit Girokarte (früher EC) bestimmen in Deutschland die Automaten-Betreiber. Bei der eigenen Bank ist das Abheben meist kostenlos oder in einer Grundgebühr enthalten, zumindest für eine bestimmte Anzahl an Abhebungen. Auch bei anderen Instituten kann es gratis sein, weil sich diese in Verbünden organisiert haben.

Kunden einer Sparkasse und Volksbank zum Beispiel heben oft bei anderen Sparkassen beziehungsweise Volksbanken ebenfalls kostenlos oder günstiger Geld ab. Einige Privatbanken haben sich über Cash-Group und CashPool zusammengeschlossen. Zur Cash-Group gehören Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank sowie die HypoVereinsbank mit ihren Tochterunternehmen; im CashPool haben sich Santander, Targobank, Sparda-Banken, BBBank, die Nationalbank und viele weitere kleine Institute gesammelt.

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Eine gesetzliche Obergrenze für die Abhebegebühren gibt es nicht. „Die Privatbanken im Bundesverband Deutscher Banken hatten sich in der Vergangenheit entschieden, von Fremdkunden maximal 1,95 Euro pro Abhebung zu verlangen“, teilt die Verbraucherzentrale mit. Doch diese Regel gelte nicht mehr.

„In der Regel kosten Fremdabhebungen bis zu 4,90 Euro“, so die Verbraucherschützer. Auch exklusive Geldautomaten-Betreiber wie Euronet oder Cardpoint legen ihre Preise selbst fest. „Das Entgelt kann hier nach Standort oder auch Uhrzeit variieren“, berichtet Stiftung Warentest.

Seit 2011 sind Automaten-Betreiber dazu verpflichtet, anfallende Gebühren für Fremdabheber exakt auf dem Bildschirm oder per Aufkleber anzuzeigen. Die Verbraucherzentrale rät, die Geldautomaten teurer Institute oder Anbieter zu meiden: „Nur eine Abstimmung mit den Füßen kann dafür sorgen, dass Banken und Sparkassen die Preise fürs Geldabheben reduzieren.“

Kreditkarte

Bei Kreditkarten bestimmt die kartenausgebende Bank die Höhe der Abhebegebühren. „Insbesondere Filialbanken verlangen hohe Gebühren, falls ihre Kunden mit der Kreditkarte Geld abheben“, erklärt Josefine Lietzau, Bankexpertin vom gemeinnützigen Verbraucherportal Finanztip. Kunden einiger Direktbanken hingegen, von ING etwa oder DKB, kommen mit der Kreditkarte kostenlos an Bargeld.

Aber auch hier ist Vorsicht geboten: „Bei einigen Banken bleibt das nur dann kostenlos, wenn ein Mindestbetrag abgehoben wird“, teilt die Verbraucherzentrale mit. Wer Kleinbeträge von unter 50 Euro abheben will, müsse das mitunter gegen Gebühr dazubuchen. „Wir erhalten zahlreiche Beschwerden über eingeführte Mindestbeträge und undurchsichtige Preisstrukturen bei einigen Direktbanken“, kritisiert die Verbraucherzentrale.

Josefine Lietzau von Finanztip macht noch auf eine andere Ausnahme aufmerksam: „Vor allem auf dem Land sperren einige Sparkassen und Volksbanken die Kreditkarten aus, mit denen man kostenlos Geld bekommt. Hier müssen sich die Kunden genau informieren.“

Supermarkt/Geschäft

Neue Bedingungen im Girocard-Verfahren machen es seit 2013 möglich: An den Kassen einiger Supermarktketten und anderer Geschäfte können Bankkunden beim Bezahlen Geld mit der Girocard abheben, ohne dafür Gebühren zu zahlen. Bei 18.000 bis 21.000 Händlern ist das nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland möglich. Bei dem Verfahren, das sich „Cashback“ nennt, müssen die Kunden laut Zahlungsdienstgesetz allerdings für eine Mindestsumme einkaufen – 10 bis 20 Euro. Dann gibt es Bargeld bis zu 200 Euro. Teilnehmende Supermärkte sind Aldi Süd, Edeka, Penny, Rewe, Netto, Norma, Tegut, der Baumarkt Toom oder auch die Drogeriekette dm.

Smartphone

Das ist neu: Auch mit dem Smartphone lässt sich kostenlos Geld abheben. Zumindest bieten das mittlerweile einige Banken an, die DKB etwa oder die Onlinebanken N26 oder Fidor. Dazu kooperieren die Institute mit dem Finanzdienstleister Barzahlen.

Die Kunden erzeugen bei diesem Verfahren auf ihrem Handy per App einen Barcode und zeigen diesen an der Kasse eines teilnehmenden Händlers. Dann bekommen sie den gewünschten Geldbetrag. Im Laden einkaufen müssen sie dafür nicht. Unter anderem beteiligen sich Rewe Real, dm, Rossmann oder Penny.

Mit diesen Tipps wird das Geldabheben am Automaten sicherer

Ausland

In sechs Euro- und in 23 Nicht-Euro-Ländern hat Stiftung Warentest jüngst das Abheben von Bargeld testen lassen. Das Ergebnis: Gebühren werden vor allem außerhalb Europas, zunehmend aber auch in Euro-Ländern fällig, heißt es in einem Bericht der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“.

Besonders aufpassen müssten Verbraucher aber auf die Wechselkurse. „Es wird grundsätzlich teurer, wenn die Verbraucher die Sofortabrechnung akzeptieren“, schreibt die Stiftung Warentest. Diesen Trick wendeten Automaten-Betreiber außerhalb der Euro-Zone an, um abzukassieren.

Wird der abgehobene Betrag gleich in die Heimatwährung umgerechnet, sei der Wechselkurs meist deutlich schlechter als der, mit dem die Heimatbank abrechnet. Reisende sollten also am Automaten stets mit dem entsprechenden Button die Sofortumrechnung – in der Fachsprache Dynamic Currency Conversion (DCC) – ablehnen, selbst wenn noch mehrmals nachgehakt wird.

Ein Tipp von Stiftung Warentest: Bei manchen Instituten ist das Geldabheben mit der Kreditkarte auch im Ausland kostenlos. Hier müssten Kunden aber genau darauf achten, ob und welche weiteren Gebühren verlangt werden.

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