Verdacht: Schwere Covid-19-Verläufe durch dreckige Luft

Brüssel.  Mehr Covid-19-Tote durch Feinstaub, Ozon und Schwefeldioxid? Die EU-Umweltagentur EEA hat einen alarmierenden Bericht vorgelegt.

Indien bei Corona-Fällen weltweit auf zweitem Platz

In Indien haben sich mittlerweile 4,2 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, das Land verzeichnet damit die zweithöchste Ansteckungszahl weltweit hinter den USA. of people wearing face masks and lockdowns in India

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Der Verdacht beschäftigt Wissenschaftler rund um die Welt, jetzt ist auch die EU-Kommission alarmiert: Starke Luftverschmutzung führt womöglich zu schwereren Verläufen von Covid-19 und zu höheren Sterberaten bei Infizierten.

Wissenschaftliche Befunde deuteten auf diesen Zusammenhang hin, warnt die Kommission unter Hinweis auf einen neuen Bericht der EU-Umweltagentur EEA. Notwendig seien aber weitere Studien, noch fehle es an ausreichend verlässlichem Datenmaterial.

Die Corona-Pandemie sei ein Weckruf, dass eine gesunde Umwelt und menschliche Gesundheit zusammenhingen, sagt EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. In ihrem Report über Umwelteinflüsse und menschliche Gesundheit berichtet die EU-Agentur über eine Reihe von Studien in Europa und den USA, unter anderen eine wissenschaftliche Arbeit aus Italien. Diese habe einen signifikanten Zusammenhang gezeigt: Die Belastung – eingeschlossen Feinstaub, Ozon und Schwefeldioxid – schwäche das Immunsystem der oberen Atemwege, was den Corona-Viren den Weg in tiefere Atemwege erleichtere. Luftverschmutzung sei ein Faktor für die hohe Sterberate in Norditalien.

Kann Feinstaub das Virus transportieren?

Eine weitere Untersuchung verglich die Luftverschmutzung in 71 italienischen Regionen. Laut den Ergebnissen bietet eine dauerhaft hohe Schadstoffbelastung bevorzugte Bedingungen für die Verbreitung des Virus. Wissenschaftler in den USA, den Niederlanden und Großbritannien haben getrennt voneinander festgestellt, dass schon eine geringfügige Erhöhung der Feinstaub-Partikel in einer Region mit einer deutlich höheren Todesrate bei Covid-Fällen einher gehe.

Was der Report aufzeigt, deckt sich auch mit Warnungen aus Deutschland: Geowissenschaftler der Universität Halle haben Satelliten-Daten zur Stickoxid-Belastung in europäischen Regionen verglichen. Wo in den Monaten vor dem Corona-Ausbruch besonders viel Stickoxid gemessen wurde, forderte die Pandemie auch mehr Todesopfer – etwa in der italienischen Poebene oder in der Region Madrid. Ähnliche Befunde gibt es dem EU-Bericht zufolge auch aus China.

Die EU-Experten verweisen zudem auf einen unheimlichen Verdacht: Kann es sein, dass Feinstaub-Partikel sogar das neuartige Corona-Virus transportieren? Es gibt Indizien, aber die Forschung dazu sei nicht abgeschlossen, heißt es in dem EU-Report.

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