Corona: Drogerien und Aldi verkaufen Schnelltests

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Corona-Schnelltests - wichtige Helfer im Kampf gegen Corona

Corona-Schnelltests - wichtige Helfer im Kampf gegen Corona

Neben den Impfungen gewinnen die Antigen-Schnelltests rasant an Bedeutung bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Der massenhafte Einsatz von Schnell- und auch Selbsttest soll nach dem langen Lockdown weitere Öffnungsschritte flankieren und helfen, Corona-Infektionen und Ausbrüche rechtzeitig zu entdecken.

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Berlin.  Drogerien und die Supermarktkette Aldi beginnen in Kürze mit dem Verkauf von Corona-Schnelltests. Auch Antikörpertests sind im Angebot.

Der Discounter Aldi verkauft ab Samstag (6.3.) deutschlandweit Corona-Schnelltests. Pro Kunde werde die Abgabemenge auf eine Packung begrenzt, damit möglichst viele Kunden zum Zuge kämen, teilten Aldi Nord und Aldi Süd mit. Eine Packung umfasst demnach fünf Tests für einen Nasenabstrich, der Preis beträgt 24,99 Euro pro Packung. Die Packungen sind direkt an der Kasse erhältlich.

Corona-Schnelltests: Drogerieketten starten ebenfalls Verkauf

Vor Aldi hatten die Drogerieketten dm und Rossmann für die kommende Woche den Verkaufsbeginn für die zum Eigengebrauch gedachten Schnelltests angekündigt. Ab 9. März will dm mit dem Verkauf anfangen – „sofern die Lieferzusagen des Herstellers eingehalten werden können“.

Auch Rossmann hat angekündigt, ab Mitte kommender Woche Corona-Selbsttests zum Verkauf anzubieten. Rossmann arbeite zudem „mit Hochdruck daran“, zugelassene Tests weiterer Hersteller ins Sortiment aufzunehmen. Die Abgabemenge wird anfangs auf vier Stück pro Haushalt begrenzt.

Lesen Sie dazu: Drogerien verkaufen Corona-Schnelltests ab nächster Woche

Antikörper-Tests bei Drogeriemarkt dm

Die Drogeriemarktkette dm ist außerdem in das Geschäft mit dem Verkauf von Antikörpertests zum Nachweis einer überstandenen Corona-Infektion eingestiegen. Im Online-Angebot – und nur dort – findet sich ein Test von Cerascreen zum Preis von 59,95 Euro zuzüglich Versandkosten. Doch Verbraucherschützer und Fachleute warnen.

Das baden-württembergische Sozialministerium hat das Angebot des Coronavirus-Antikörpertests bei dem Drogeriemarkt geprüft. Nach Rechtsauffassung des Ministeriums ist eine Abgabe nur an Fachpersonal zulässig, wenn solche Testkits einen diagnostischen Zweck haben. Das hatte es zuvor mitgeteilt.

Im Ergebnis kam jedoch heraus, dass die Marktüberwachungsbehörde „keinen Hinweis auf einen unzulässigen Vertrieb der Probenahme- und Einsendekits“ sieht, wie das Regierungspräsidium Tübingen am Donnerstag mitteilte. Man habe sich mit der für den Hersteller des Kits zuständigen Behörde und dem Bundesgesundheitsministerium abgestimmt. Dementsprechend darf die Drogeriekette den Antikörpertest weiterhin verkaufen.

Der zuständige dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer erklärt die Motivation des Händlers schriftlich: „Wir bei dm möchten gegenüber unseren Kunden unserer Verantwortung als kompetenter Anbieter von Gesundheitsprodukten gerecht werden“, heißt es in einer Mail. Daher habe sich dm dafür entschieden, ein Antikörper-Testkit ins Sortiment aufzunehmen, mit dem getestet werden kann, ob sich bereits Antikörper gegen das Coronavirus gebildet haben. Auch in Österreich hatte dm bereits Coronatests vertrieben .

dm: Test kann kostenlos ins Labor geschickt werden

Was genau die Käuferinnen und Käufer erwartet, ist in der Produktbeschreibung auf der dm-Webseite beschrieben: „Im Einsende-Testkit ist alles enthalten, was Sie brauchen, um sich eine Blutprobe zu entnehmen und kostenfrei an ein Partner-Labor von Cerascreen zurückzusenden“, heißt es dort. Die eingesandte Probe werde in einem akkreditierten medizinischen Fachlabor auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 getestet. Cerascreen setze dabei auf die Messung langlebiger Immunglobulin G-Antikörper.

Diese Antikörper bilden sich frühestens zwei Wochen nach der Infektion und bleiben länger im Blut als andere. Nach ungefähr vier Wochen erreichen sie ihren Höhepunkt, danach sinkt ihre Konzentration im Körper langsam und geringfügig ab. „Können diese Antikörper festgestellt werden, kann das ein Hinweis darauf sein, dass Sie bereits mit Covid-19 infiziert waren“, heißt es weiter.

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Corona-Ergebnis nach zwölf bis 48 Stunden

Banal ist der Test dabei nicht. Es braucht eine Blutentnahme und eine Registrierung auf der Cerascreen-Webseite oder in der App. Darüber hinaus müssen Fragen beantwortet werden. Dann geht das Kit in die Post. Ein Ergebnis soll zwölf bis 48 Stunden nach Probeneingang im Labor vorliegen.

„Wenn Ihre Probe ausgewertet ist, erhalten Sie Ihren Ergebnisbericht über die mein cerascreen-App oder Ihr Benutzerkonto auf der Website“, so die Aussage in der Produktbeschreibung. Das Unternehmen betont, dass es nicht um einen Schnelltest handelt – es gibt kein Sofortergebnis. Lesen Sie dazu auch: Corona-Schnelltest: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Da das neuartige Coronavirus in einigen Fällen nur leichte grippeähnliche Symptome verursacht, sind sich viele Menschen nicht sicher, ob sie das Virus nicht vielleicht schon in sich hatten. Sinnvoll sei der Test von dm laut den Angaben von Cerascreen erst rund 14 Tage nach dem Auftreten der Symptome .

Warnhinweis wird zur Produktbeschreibung mitgeliefert

Zur Produktbeschreibung mitgeliefert wird auch ein Warnhinweis: „Aktuell kann aus einem positiven Antikörpertest noch nicht auf eine Immunität gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geschlossen werden. Es kann aber wahrscheinlich ein Hinweis darauf sein, dass Sie mit SARS-CoV-2 infiziert waren.“ Und: „Der Cerascreen Coronavirus-Antikörpertest ist nicht zum Nachweis einer akuten Infektion geeignet.“

Unabhängig vom Testergebnis sollten Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand wahren, auf Hygiene achten, Alltagsmaske tragen unbedingt beachtet werden. Lesen Sie dazu auch: Drosten warnt vor Corona-Ansteckungsherden

Schnelltest oder Testkit zum Selbermachen: Unumstritten sind diese Produkte, von denen laut Medizinprodukteabgabeverordnung eigentlich nur die frei verkauft werden dürfen, die kein Sofortergebnis liefern, nicht. Die Verbraucherzentralen etwa halten generell wenig von den Selbsttests: „Viele Faktoren wie eine schlechte Probenqualität, ein unsachgemäßer Transport oder der falsche Zeitpunkt der Probenentnahme können das Ergebnis eines Selbsttests verfälschen“, heißt es in einer Mitteilung .

Falsch positive Ergebnisse könnten Menschen in falscher Sicherheit wiegen

Zweifel an der Zuverlässigkeit gibt es auch aus Kreisen der Wissenschaft: So hatten deutsche Forscherinnen und Forscher mehrerer Antikörpertests untersucht: Das Ergebnis laut einem Bericht des Deutschlandfunks: Die Quote der falsch positiven Ergebnisse lag bei den Tests zwischen drei und weniger als einem Prozent.

Ein falsch positives Ergebnis aber kann gefährlich sein, weil die getestete Person meist denkt, sie sei durch die Antikörper gegen SARS-CoV-2 geschützt oder könne die Krankheit nicht mehr übertragen. Das kann vor allem für Menschen aus Risikogruppen fatal sein.

(mit dpa/afp/raer/yah)

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