Elektronik

Generalüberholte Smartphones: Worauf man achten sollte

| Lesedauer: 7 Minuten
Refurbished: So viel Geld kann man damit sparen

Refurbished: So viel Geld kann man damit sparen

Mit generalüberholten Geräten kann man viel Geld sparen: Das steckt hinter dem „refurbished“-Prinzip.

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Berlin.  Generalüberholte Smartphones, Tablets oder Laptops zu kaufen, kann Geldbeutel und Umwelt schonen. Lohnen sich die Refurbished-Geräte?

Ob ein Smartphone, Tablet oder Laptop fabrikneu vom Händler kommt oder gut gepflegt schon einige Monate im Einsatz war, das sieht man auf den ersten Blick oft nicht und muss auch beim Gebrauch nicht negativ auffallen. Preislich können aber mehrere Hundert Euro ­dazwischenliegen. Ein Premiumsmartphone kostet beim Erscheinen gern mal 1000 bis 1500 Euro, ein Spitzentablet durchaus 500 bis 1000 Euro. Das kann oder möchte sich nicht jeder leisten.

Ein bewährter Spartipp lautet: Nach Vorjahresmodellen schauen. Die haben technisch kaum weniger zu bieten und kosten je nach Hersteller ein Jahr nach Marktstart gerne 10 bis 30 Prozent weniger. Noch weniger bekannt, aber ebenso lohnenswert: der Kauf generalüberholter Modelle – sogenannter Refurbished-Geräte. Was sich dahinter verbirgt, wie viel sich damit sparen lässt und was beim Kauf zu beachten ist.

Was sind generalüberholte „Refurbished“-Geräte?

Sie gelten als günstigere Alternative zum Neukauf und als risikoärmer im Vergleich zum Gebrauchtkauf von privaten Verkäufern. „Refurbished“ ist kein geschützter Begriff, steht aber gemeinhin für „generalüberholt“ oder „instand gesetzt“. Darunter versteht man gebrauchte Technik, die bei professionellen Online-Anbietern wieder frisch gemacht und dann weiterverkauft wird.

Die angekauften Gebrauchtgeräte werden vor dem Wiederverkauf fachgerecht gereinigt, optisch und technisch auf Mängel überprüft und im Zweifel repariert. Defekte Bauteile oder ein schwacher Akku werden ausgetauscht. Die Wiederaufbereitung erfolgt bei führenden Anbietern heute schon mithilfe von Robotern, bevor menschliche Techniker das Ergebnis prüfen.

Zu den bekanntesten „Refurbished“-Anbietern im deutschsprachigen Raum gehören Rebuy, Asgoodasnew, Buyzoxs, Clevertronic oder Refurbed. Der finnische Anbieter Swappie hat sich rein auf iPhones beschränkt. Kleinere Anbieter kommen stetig dazu. Große Hersteller wie Apple oder Samsung bieten ebenfalls generalüberholte Geräte vergünstigt an.

Das Versprechen: Die Kundinnen und Kunden erhalten ein geprüftes Gebrauchtgerät in einem genau beschriebenen Zustand zu einem günstigeren Preis im Vergleich zur Neuware. Hat man auf der Shopseite sein Wunschmodell gefunden, kann man je nach Lagerbestand auswählen, welche Abstriche beim Zustand des Smartphones, Tablets oder des Laptops akzeptabel sind – das bestimmt den Preis.

Was bedeuten die Angaben zum Zustand?

Bei Geräten, die ein Portal als „Wie neu“, „Hervorragend“ oder „Sehr gut“ einstuft, kann es sich beispielsweise um Versandrückläufer handeln, die von Erstbesitzern kaum benutzt und dann wiederverkauft wurden. Mitunter unterscheiden sie sich optisch gar nicht oder nur minimal von Neugeräten. Auch der Akku hat hier in der Regel noch volle Leistung.

Noch günstiger sind Geräte, die etwa als „Gut“ oder „Akzeptabel“ eingestuft werden. Sie können leichte oder deutlich sichtbare Gebrauchsspuren aufweisen, etwa Kratzer auf dem Display oder Gehäuse. Kleine optische Mängel sind für manche aber akzeptabel, wenn ein Smartphone, Tablet oder Laptop dann deutlich unter dem Neupreis zu haben ist. Wer eine Schutzhülle verwendet, kann Kratzer auch verdecken. Je nach Anbieter wird das Produkt nicht immer in der Originalverpackung geliefert, auch das mitgelieferte Zubehör wie Netzteil oder Kopfhörer kann sich unterscheiden.

Neben der Preisersparnis und der höheren Sicherheit bei Kauf und Rückgabe sollen „Refurbished“-Geräte zudem umweltschonender als Neugeräte sein, da sie neben CO2-Emissionen bei der Herstellung auch Elektroschrott einsparen und den Lebenszyklus der Geräte verlängern sollen. Die Generalüberholung eines einzigen Smartphones spart laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts 14 Kilogramm beim Rohstoffabbau und 58 Kilogramm bei den Treibhausgasemissionen.

Wie viel lässt sich ­dadurch sparen?

Die mögliche Ersparnis hängt von mehreren Faktoren ab: vom Preis beim Marktstart, von der Marke und dem Alter des Geräts und natürlich vom Zustand. Je kürzer das Modell auf dem Markt ist, desto geringer ist die Differenz zum Neupreis.

Bei stark nachgefragten Technikmarken wie Apple sind bei sehr gut erhaltenen Geräten erfahrungsgemäß nur wenige Prozent Ersparnis drin. Bei anderen Herstellern sind je nach Zustand zwischen 10 und 40 Prozent unter dem derzeitigen Marktpreis durchaus üblich.

Gibt es Rückgaberecht und Garantie?

Wie bei Online-Käufen generell gilt die gesetzliche Widerrufsfrist von 14 Tagen. In diesem Zeitraum können Käufer das generalüberholte Gerät ohne Angabe von Gründen zurückschicken. Manche Anbieter räumen freiwillig sogar ein längeres Rückgaberecht ein. Rebuy etwa bietet 21 Tage Rückgaberecht und bei Mängeln 36 Monate Garantie. Nicht darunter fallen Verschleißteile wie Akkus, Zubehör und selbst verschuldete Schäden. Bei Asgoodasnew sind es 30 Tage beziehungsweise 30 Monate.

Was ist beim Kauf zu beachten?

Wichtig: Vor dem Kauf im Online-Shop die Angaben zum Zustand des Geräts genau lesen und sich Fotos, sofern vorhanden, genau ansehen. Seriöse Anbieter machen detaillierte Angaben und beschreiben Mängel klar.

Abzuwägen ist das optimale Verhältnis von möglichen Gebrauchsspuren zum Preis. Mitunter ist der Preissprung zur nächstbesseren Stufe gering. Dann hat man trotz eines kleines Aufpreises länger Freude am Gerät.

Prüfen sollten Käufer laut Experten auch, welche sicheren Zahlungsmittel der Shop akzeptiert, wie lang das Rückgaberecht ist und welche Leistungen ein zusätzlicher Garantieanspruch umfasst. Generell empfiehlt sich ein Preisvergleich zwischen mehreren Portalen. Nutzerbewertungen der verschiedenen Anbieter findet man etwa bei Trustpilot oder Trusted Shops.

Nach der Lieferung gilt es, den tatsächlichen Zustand mit der Beschreibung im Angebot abzugleichen und in Ruhe alle Funktionen zu überprüfen. So hat man im besten Fall etwas für Geldbeutel und Umwelt getan.

Generalüberholte Technik: Bereitschaft zum Gebrauchtkauf wächst

Schon jeder und jede zweite Befragte (50 Prozent) kann sich vorstellen, künftig ein „Refur­bished“-Gerät zu kaufen. Jeder Achte (13 Prozent) hat dies bereits getan, unter den Jüngeren bis 29 Jahre sogar schon ein Fünftel (21 Prozent). Das ergab im Januar eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat unterdessen im Juli drei „Refurbished“-Anbieter abgemahnt. Der Vorwurf: Sie hätten mit fiktiven Preisvorteilen geworben, bei Angaben zur angeblichen Nachhaltigkeit der Gebrauchtgeräte übertrieben („Greenwashing“) und unter anderem die von Nutzern gesetzte Einstellung für die Ablehnung von Cookies bewusst ignoriert.

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