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Apple Watch: Das bringt Frauen die neue Zyklus-Überwachung

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Apple Keynote 2022: iPhone 14, Apple Watch 8, AirPods Pro 2 // IMTEST

Apple Keynote 2022- iPhone 14, Apple Watch 8, AirPods Pro 2 // IMTEST

Am 07. September zeigte Apple auf der großen Hauseigenen keynote jede Menge neue Produkte: Das iPhone 14, die Apple Watch 8 und die AirPods Pro 2. IMTEST hat alle infos zu den Neuheiten!

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Berlin.  Die Apple Watch mit Temperatursensor soll Frauen Einblick in den Zyklus geben und beim Kinderwunsch helfen. Das sagt eine Frauenärztin.

Der Technikkonzern Apple bringt in diesen Tagen nicht nur neue iPhone-14-Modelle und Airpods-Pro-Kopfhörer auf den Markt. Der Hersteller aus dem kalifornischen Cupertino kündigte auch drei neue Uhrenmodelle der Apple Watch an.

Interessant: Zwei davon, die Apple Watch 8 (ab 499 Euro) und die Apple Watch Ultra (ab 999 Euro), erhalten neben eher spärlichen (Watch 8) beziehungsweise größeren Neuerungen (Watch Ultra) erstmals einen neuen Temperatursensor.

Dieser soll laut Apple insbesondere Frauen mehr Einblicke in ihre Gesundheit sowie ihren weiblichen Zyklus ermöglichen und sogar Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des Eisprungs zulassen. Wie funktioniert die Zyklusüberwachung am Handgelenk und was sagt eine Gynäkologin dazu?

Apple Watch 8: Welchen Zweck hat die Temperaturmessung?

Bisher konnte die Smartwatch von Marktführer Apple unter anderem schon die Herzfrequenz (Puls) messen, die Sauerstoffsättigung im Blut schätzen oder auch ein Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnen. Auffälligkeiten meldet die Uhr dem Besitzer, der bei Bedenken die Hausarztpraxis aufsuchen kann. Neu hinzu kommt nun eine Temperaturerfassung mithilfe von zwei Sensoren.

Ein Sensor befindet sich auf der Rückseite der Apple Watch nahe der Haut. Der andere sitzt auf der Oberseite unter dem Bildschirm und soll sicherstellen, dass Umgebungseinflüsse – etwa Heizungs- oder Kissenwärme – die Messung der Hauttemperatur nicht verfälschen.

Die Uhr, so der Hersteller, misst dabei ausdrücklich nicht die Körpertemperatur. Sie ersetzt kein Fieberthermometer und zeigt auch keine konkrete Körpertemperatur an. Stattdessen misst der Sensor Abweichungen von der durchschnittlichen Hauttemperatur der Trägerin oder des Trägers – insbesondere nachts. Denn: „Die Temperatur am Handgelenk beim Schlafen kann ein guter Marker für die gesamte Körpertemperatur sein“, schreibt Apple.

Konkret erfassen die Sensoren der Uhr dafür während des Schlafs „alle fünf Sekunden die Temperatur am Handgelenk“, so der Hersteller. Dabei können sie demnach „Änderungen von gerade mal 0,1 Grad Celsius erkennen“, heißt es. Hintergrund: Nachts wird der Körper am wenigsten von Störfaktoren wie Bewegung oder Essen beeinflusst. Voraussetzung ist: Die Uhr muss regelmäßig im Schlaf getragen werden. Zu Beginn laut Apple mindestens fünf Nächte lang am Stück.

Wie funktioniert das Zusammenspiel mit der Zyklus-App?

Die Temperaturaufzeichnungen am Handgelenk werden in der iPhone-App des Herstellers zur Gesundheits- und Schlafüberwachung („Health App“) protokolliert. Anwenderinnen können dort zum Beispiel verfolgen, ob und wann sich über einen längeren Zeitraum auffällige Abweichungen ihrer gewohnten Körpertemperatur abzeichnen. Ursachen dafür können Training, Alkohol oder Krankheiten sein, aber auch der Menstruationszyklus. Apple verspricht hier erste Erkenntnisse nach mindestens zwei Zyklen.

In der ersten Hälfte des ungefähr vier Wochen andauernden Zyklus ist die Körpertemperatur hormonbedingt für gewöhnlich niedriger als nach dem Eisprung in der zweiten Hälfte. Die App soll so nachträglich den wahrscheinlichsten Zeitraum für den zurückliegenden Eisprung schätzen können – was Frauen bei der Familienplanung helfen kann. „Die Temperaturerkennung ermöglicht zudem verbesserte Vorhersagen der Periode“, schreibt Apple.

Darüber hinaus können sich Nutzerinnen der Uhr samt Zyklus-App Benachrichtigungen anzeigen lassen, sobald der Zyklusverlauf eine mögliche Abweichung zeigt, „etwa unregelmäßige, ausbleibende oder längere Perioden sowie anhaltende Blutungen, die auf Gesundheitsprobleme hinweisen können“.

Ziel sei es, Frauen gesundheitliche Orientierung zu bieten. Aber: „Die Zyklus­protokoll-App sollte nicht zur Empfängnisverhütung eingesetzt werden“, betont Apple. Die Temperaturfunktion sei ausdrücklich „kein Medizinprodukt“ und könne auch keine ärztliche Diagnose ersetzen.

Wie sind meine Gesundheitsdaten geschützt?

Gesundheitsdaten sollten nicht in falsche Hände geraten. Hersteller Apple betont daher, dass sämtliche Werte der Zyklusprotokoll-App zunächst nur auf den Geräten selbst gespeichert werden.

Sollten Nutzerinnen ihre Gesundheitsdaten darüber hinaus in den Cloudspeicher des Herstellers (iCloud) hochladen, um etwa jederzeit auch von anderen Geräten darauf zugreifen zu können, dann sei die Übertragung durch eine sichere „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ geschützt. Diese anerkannte Methode kommt beispielsweise auch zum Einsatz.

Temperaturmessung für Frauen: Was sagen Gynäkologen?

Wissenschaftlich anerkannt und auch für die Familienplanung geeignet seien bislang nur Methoden auf Basis der genaueren Basaltemperatur (Körpertemperatur, die zum Beispiel oral gemessen wird) – und mit Thermometern, die zwei Nachkommastellen erfassen könnten, sagt Dr. Tanja Freundl-Schütt, Oberärztin der endokrinologischen und reproduktionsmedizinischen Abteilung an der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf.

Zur Messung der Hauttemperatur nur am Handgelenk (genannt: periphäre Temperatur) gebe es „aus wissenschaftlicher Sicht bislang noch keine aussagekräftigen Studien“. Generell sei der Schritt der Technikhersteller hin zu Funktionen rund um die Zyklusüberwachung aber zu begrüßen, sagt die Gynäkologin und Vorständin der Sektion Natürliche Fertilität (SNF).

Gerade jüngere Frauen würden zunehmend Wert darauf legen, „etwas über ihren Zyklus zu erfahren, um das Ganze in die Lebensplanung einzubeziehen“, sagt die Medizinerin. Über Smartwatches und Apps etwa werde das Ganze mehr und mehr digitalisiert. „Ob das eine Hilfe sein kann, das braucht sicher noch einige Zeit, um Antworten zu bekommen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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