EU-Wettbewerbshüter untersagen Siemens-Alstom-Fusion

Berlin  Die EU hat die geplante Fusion von Siemens und Alstom untersagt. Beide Konzerne seien bereits weltweit wettbewerbsfähig, heißt es.

Ein TGV von Alstom und ein ICE von Siemens auf der Rheinbrücke bei Kehl: Aus der geplanten Fusion der Konzerne wird nichts.

Ein TGV von Alstom und ein ICE von Siemens auf der Rheinbrücke bei Kehl: Aus der geplanten Fusion der Konzerne wird nichts.

Foto: Marijan Murat / dpa

Die geplante Fusion von Siemens und Alstom ist gescheitert. Die Wettbewerbshüter der EU untersagten den Zusammenschluss am Mittwoch offiziell. Siemens und Alstom hatten ein Großprojekt mit der geplanten Fusion vorangetrieben. Sie wollten zum „Airbus für die Schiene“ werden.

Siemens ist unter anderem Hersteller des ICE, Alstom baut den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV. Die beiden sind die größten Anbieter von Bahn-Signalanlagen und Schienenverkehrsfahrzeugen in Europa.

Ähnlich wie das europäische Gemeinschaftsunternehmen Airbus in der Flugbranche wollten die beiden Unternehmen durch ihre Fusion zum europäischen Großproduzent aufsteigen, um sich dem internationalen Wettbewerb auf der Schiene besser stellen zu können.

Starke Konkurrenz aus China

Ins Visier nahmen die Zugbauer dabei vor allem China. Denn auch wenn Chinas größter Eisenbahnproduzent CRRC noch nicht auf den europäischen Markt expandiert hat, so hat er im Umsatz den europäischen Markt insbesondere im Bereich der Hochgeschwindigkeitszüge längst überholt.

Für das Zugmodell G80 hat China sein Hochgeschwindigkeitszugnetz zum größten der Welt ausgebaut, schon seit 2003 fährt zwischen dem chinesischen Flughafen Pudong und Shanghai ein Transrapid.

Nur halb so viel Umsatz wie CRRC

Das Börsenportal der ARD schätzt den Jahresumsatz des chinesischen Herstellers CRRC auf 24 Milliarden Euro pro Jahr. Alstom und Siemens kommen demnach zusammen nur auf rund die Hälfte.

Um um die internationale Vormachtstellung im Bau von Schienenverkehrszügen konkurrieren zu können, wollten Siemens und Alstom ihre Fusionschnell voranbringen. Unter anderem stieg dafür der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) bei Siemens als Lobbyist ein.

„Alstom und Siemens sind bereits Weltmeister“

Die Wettbewerbshüter der EU hatten allerdings mehrfach ihre Zweifel angemeldet. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte erst in der vergangenen Woche in der „Zeit“ gesagt, dass Siemens und Alstom bereits jetzt in der Lage seien, sich gegen die Konkurrenz aus China durchzusetzen.

„Alstom und Siemens aber sind bereits Weltmeister in ihrem Geschäft, nicht nur Europameister. Wir sprechen hier über zwei tolle Unternehmen, die in der Lage sind, im Wettbewerb zu bestehen“, sagte Vestager.

Mit einem Zusammenschluss wäre ein dominanter Akteur geschaffen worden, begründeten die EU-Wettbewerbsrichter ihre Entscheidung. „Ohne ausreichende Abhilfemaßnahmen hätte der Zusammenschluss zu höheren Preisen für Signalanlagen, die die Sicherheit der Fahrgäste gewährleisten, und für die nächsten Generationen von Hochgeschwindigkeitszügen geführt“, meinte Vestager.

Berlin und Paris hatten sich für Fusion stark gemacht

Die Haltung der EU stieß unter anderem bei der deutschen und französischen Regierung auf Kritik . Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich für den Zusammenschluss ausgesprochen, da er auf einen neuen „europäischen Champion“ hoffte. Anfang der Woche hatte Altmaier eine neue Industriestrategie vorgelegt , die die deutsche Wirtschaft im Blick auf China stärken soll.

Äußerst erfreut über die Entscheidung der EU-Wettbewerbshüter zeigte sich dagegen die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen: „Ich bin begeistert“, sagte die Kontrahentin von Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch dem Radionachrichtensender Franceinfo. (tki/dpa)

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