Netflix muss sich warm anziehen: So rüsten die Rivalen auf

Essen  Immer mehr Streaming-Dienste machen Netflix Konkurrenz. Vor allem Disney wird einiges zugetraut – nicht nur wegen des Kampfpreises.

Mit Eigenproduktionen wie „Das Boot“ will sich Sky gegen die zahlreichen Wettbewerber behaupten.

Mit Eigenproduktionen wie „Das Boot“ will sich Sky gegen die zahlreichen Wettbewerber behaupten.

Foto: Nik Konietzny / dpa

Es sind Abende wie dieser. Abende, an denen man es schwer hat, wenn man kein Fußballfan ist, und an denen man deshalb froh ist, einen Streaming-Dienst abonniert zu haben. Mittlerweile ist aus der Wahl aber schon ein wenig die Qual geworden. Und sie wird immer größer.

Bis Ende des Jahres soll es mit Disney+, Warner und Apple drei neue Angebote geben. „Der Markt wird nicht einfacher“, weiß Andreas Stumptner vom Pay-TV-Sender Sky.

Sky bündelt Angebote auf einer Plattform

Sky will mitmischen. Vor allem über das hauseigene Sky Q. Das ist ein vor gut einem Jahr vorgestelltes Betriebssystem für die neuen TV-Receiver des Unternehmens. Eine Plattform, die es Kunden leichter macht, die Übersicht zu behalten über die zahlreichen Angebote des Bezahlsenders. Doch nicht nur über die.

Netflix und Spotify lassen sich darüber buchen, die Mediatheken von ARD und ZDF, Youtube und der Sport-Streaming-Dienst Dazn ansteuern. „Das macht das Fernsehgucken ein ganzes Stück bequemer“, sagt Stumptner. 1,5 Millionen Sky-Kunden nutzen das neue Angebot bereits. Und damit es noch mehr werden, soll Sky Q kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Wo sollen die Filme herkommen?

In Kürze etwa soll eine internetfähige Verteilerbox angeboten werden, die es ermöglicht, das Sky-Programm gleichzeitig auf mehreren Fernsehern zu schauen. Außerdem wird es die App, die es aktuell nur für Fernseher von Samsung und Apple gibt, bald auch für weitere Plattformen geben. Und für unterwegs gibt es mit Sky Go und Sky Ticket zwei Streaming-Angebote, die der Konkurrenz Paroli bieten sollen.

Aber komfortable Technik ist nur ein Baustein. „Ohne starke Inhalte nutzt das alles nichts“, macht sich Stumpter nichts vor. Die werden künftig immer schwieriger zu bekommen sein – für Sky ebenso wie für Netflix oder Amazon Prime Video.

Warner und Disney werden eigene Inhalte bunkern

Denn die Branchenriesen Warner und Disney haben bereits angekündigt, mit dem für Herbst geplanten Start ihrer eigenen Streaming-Dienste kaum noch Lizenzen an Dritte zu vergeben. So werden beispielsweise die „Avengers“-Superhelden und „Stars Wars“ ab 2020 exklusiv bei Disney laufen.

Die „Simpsons“ gibt es ebenfalls nur noch beim Micky-Maus-Konzern. Auch Warner verfügt nicht nur über ein riesiges Film- und Serienarchiv („Friends“, „Harry Potter“), zum Konzern gehört auch der Pay-TV-Sender HBO. Was wohl dazu führen wird, dass beliebte Serien wie „Game of Thrones“ oder „Westworld“ nirgendwo anders mehr zu sehen sein werden.

Eigenproduktionen werden immer wichtiger für Sky, Netflix und Co.

Sky setzt daher schon seit einiger Zeit nicht mehr nur auf exklusiven Fußball, sondern auch auf eigene Produktionen wie „Babylon Berlin“, „Das Boot“ oder „Der Pass“. „Diese Strategie werden wir fortsetzen“, kündigt Stumptner an. Die Mitbewerber werden das auch. Das jedoch ist teuer.

Und so wird es am Ende darauf ankommen, wer finanziell den längsten Atem hat. Branchenkenner trauen da neben Amazon vor allem Disney einiges zu. Damit scheinen sie richtig zu liegen.

Disney+ soll deutlich günstiger als Netflix sein

Denn während Netflix derzeit in weiten Teilen der Welt die Preise erhöht, soll Disney+ gerade einmal 6,99 Dollar kosten. Geld für diesen „Kampfpreis“ ist ausreichend da. Allein im vergangenen Jahr machte der Konzern einen Gewinn von rund 12,5 Milliarden Dollar.

• Film-Streaming kann man aber auch ganz ohne zu bezahlen haben. Das sind kostenlose Alternativen zu Netflix, Amazon Prime und Sky.

• Den Wettbewerb mit der neuen Konkurrenz scheut Netflix angeblich nicht. Netflix-Chef Reed Hastings sagte unserer Redaktion, warum er keine Angst vor Disney hat.

(Andreas Böhme)

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