Marke VW verkauft weltweit weniger – SUV legen aber kräftig zu

Wolfsburg.  Weltweit sanken die Auslieferungen um 3,3 Prozent. In China stiegen sie dagegen.

Tiguan-Produktion im VW-Werk Wolfsburg

Tiguan-Produktion im VW-Werk Wolfsburg

Foto: Kai-Uwe Knoth/Volkswagen AG

Die starke Nachfrage nach Geländelimousinen (SUV) hat für die Marke VW einen schwarzen Juli verhinderte Zwar sanken die weltweiten Verkäufe der Wolfsburger gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,3 Prozent auf 489.000 Autos. Die Bilanz wäre womöglich ohne das weltweit boomende SUV-Segment noch deutlich schlechter ausgefallen. In den ersten sieben Monaten stieg der SUV-Anteil unter den von der Marke VW ausgelieferten Autos von 18,7 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nun 27,5 Prozent. Ohne entsprechendes Angebot hätten die Kunden diese Autos eventuell bei einem anderen Hersteller erworben oder auf einen Kauf verzichtet.

Ohnehin muss die Juli-Bilanz besonders aufmerksam gelesen werden. Sie weist insbesondere für Europa deutliche Rückgänge bei den Verkäufen aus. Bezogen auf den gesamten Kontinent sanken die Zahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,8 Prozent. Dabei gab es ein West-Ost-Gefälle: In Westeuropa betrug das Minus 7,7 Prozent, in Zentral- und Osteuropa 14,6 Prozent.

Auf dem Heimatmarkt Deutschland verlor die Marke 11,9 Prozent. SUV-Modelle legten dagegen kräftig zu: Für den Touareg weist VW im Juli ein Plus von 26 Prozent aus, für den Tiguan 16,9 Prozent und für den T-Roc 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Vor einem Jahr wurden besonders viele Autos verkauft

Ganz so dramatisch, wie die Situation auf den ersten Blick in Europa scheint, ist sie aber nicht. VW verweist darauf, dass viele europäische Kunden im Juli des Vorjahres ihre Autokäufe wegen der nahenden Umstellung auf das neue Verbrauchs- und Abgas-Prüfverfahren WLTP vorzogen. Anders ausgedrückt: Vor einem Jahr wurden besonders viele Autos verkauft, daher war nun ein Rückgang zu erwarten.

Von großer Bedeutung ist für die Marke VW die Entwicklung der Verkaufszahlen in China. Nach zuvor deutlichen Rückgängen verbuchte das Unternehmen im Reich der Mitte im Juli wieder einen Zuwachs um 2 Prozent. Diese Entwicklung hat besonderes Gewicht, weil der gesamte chinesische Pkw-Markt im Juli um 5,3 Prozent schrumpfte. Das meldete der chinesische Branchenverband PCA. Auch im Reich der Mitte steigerte der Autobauer nach eigenen Angaben vor allem seine SUV-Verkäufe. Der SUV-Anteil stieg demnach von 13,9 Prozent im Vorjahresmonat auf aktuell 28,8 Prozent gestiegen – er hat sich also mehr als verdoppelt. Die Marke VW lieferte im zurückliegenden Monat 228.000 Autos im Reich der Mitte aus, das entspricht einem Anteil von 46,6 Prozent der Gesamtverkäufe.

Auch in Südamerika und insbesondere in Brasilien steigerte die Marke ihre Auslieferungen. Auf dem gesamten Teilkontinent betrug das Plus 2,6 Prozent, in Brasilien starke 13,5 Prozent. 34.000 Autos fanden einen Käufer.

Geteilt ist die Entwicklung in Nordamerika. Während die Verkäufe in Mexiko um 11,7 Prozent einbrachen, steigerte VW die Auslieferungen in den USA um 2,2 Prozent. Das erfolgreichste Modell dort war mit dem Tiguan ein SUV. Der Autobauer beziffert den SUV-Anteil an seinen Verkäufen in den USA auf mehr als 50 Prozent. Dort sind diese Modelle besonders gefragt, die Vereinigten Staaten sind quasi das Mutterland dieses Fahrzeug-Segments.

E-Fahrzeuge soll es künftig auch als SUV geben

Geländelimousinen werden für die Wolfsburger perspektivisch auch noch eine bedeutende Rolle spielen, wenn nach und nach die Modelle der rein elektrischen ID.-Familie vorgestellt werden. Entsprechende SUV-Studien wurden von den Wolfsburgern bereits präsentiert.

Die Ära der Stromer startet allerdings zunächst mit dem ID.3, einem Auto im Golf-Format. Das soll ab Ende des Jahres in Zwickau produziert werden, aber erst im neuen Jahr zu den Händlern kommen. Im Mai schaltete VW für den ID.3 ein Registrierungsverfahren frei – das Pre-Booking. Wer sich dort einträgt und 1000 Euro hinterlegt, soll bei der finalen Bestellung Vortritt bekommen. Verzichten die Interessenten jedoch auf die Bestellung, gibt es den Tausender zurück. 30.000 ID.3 hat VW für das Pre-Booking vorgesehen. Nach Angaben des Autobauers liegen bis jetzt etwa 26.000 Registrierungen vor.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder