Braunschweiger erklären, wie Nutzer sicher im Netz surfen

Braunschweig.  Die Verbraucherzentrale und der Verein Digitalcourage boten ein Seminar zur Selbstverteidigung im Internet an. Die Tipps kamen gut an.

Shiva Neumann (links) und Pascal Hahulla von der Ortsgruppe Braunschweig des Vereins Digitalcourage leiteten das Seminar.

Shiva Neumann (links) und Pascal Hahulla von der Ortsgruppe Braunschweig des Vereins Digitalcourage leiteten das Seminar.

Foto: Andreas Schweiger

So wie den Braunschweigern Frank Jungesblut und Steffi Könemund geht es vielen Menschen. Im Umgang mit Internet, Smartphone, Tablet und PC verspüren sie ein Unwohlsein, eine Unsicherheit. Wie ist das mit dem Ausspioniertwerden beim Surfen im Netz, wie ist das mit den Spuren, die jeder dort beim Aufrufen einer Webseite hinterlässt? Um sich zu informieren und zu schützen, besuchten sie am Mittwoch eine sogenannte Krypto-Party, die gemeinsam von der Verbraucherzentrale Niedersachsen und dem Verein Digitalcourage am Vormittag in Braunschweig und am Nachmittag in Wolfsburg ausgerichtet wurde. Das Motto: Praktische Hilfe zur Selbstverteidigung an PC und Smartphone.

Genau genommen war es natürlich keine Party, sondern ein kostenloses Seminar, in dem die Digitalcourage-Referenten Pascal Hahulla und Shiva Neumann Tipps zur Selbstverteidigung im Internet gaben. Der in Bielefeld beheimatete Verein setzt sich unter anderem für den Datenschutz ein. Hahulla und Neumann gehören der Ortsgruppe Braunschweig an. Die Teilnehmer, in Braunschweig waren es zwölf, konnten das Erlernte an ihren eigenen Geräten direkt ausprobieren.

Um es vorweg zu nehmen: Wer seine Daten im Internet schützen und sich vor einem Werbe-Bombardement bewahren will, muss je nach eigener Schutzbedürftigkeit einen mindestens erheblichen Aufwand betreiben. Denn die Hersteller der Endgeräte und die Anbieter von Suchmaschinen haben kein Interesse daran, die Anonymisierungs-Bedürfnisse ihrer Kunden ohne Widerstand – das heißt auf denkbar einfachem Weg – zu befriedigen.

Im Gegenteil: Nutzerdaten lassen sich ganz wunderbar in bare Münzen wandeln. Daten sind eine Währung der digitalen Welt. Daher lohnt sich das Sammeln der Daten. Und wer beraubt sich schon seiner eigenen Einnahmequellen? Deshalb dürfte wohl annähernd jeder, der sich dem Thema unbedarft und unvorbereitet nähert, ziemlich schnell genervt sein. Denn die Wege zur Anonymisierung sind mitunter lang, staubig und verwunden.

Also, was tun? Die beiden Referenten boten Kompromissvorschläge an. Kompromiss – das bedeutet in diesem Fall ein möglichst hohes Maß an Schutz ohne zu großen Verlust der Benutzerfreundlichkeit.

Schritt 1: Es sollten nur Geräte verwendet werden, für die regelmäßig Updates angeboten werden, rieten die Referenten. Ohne die Aktualisierungen werde das Sicherheitsrisiko zu groß. Deshalb seien zum Beispiel Windows-Smartphones nicht mehr auf Höhe der Zeit.

Schritt 2: Wer das Internet nutzt, sollte den Browser Firefox wählen. Der Browser sei öffentlich entwickelt worden, die Quellcodes – also der lesbare Text des Programms – seien öffentlich zugänglich, was eine Kontrolle ermögliche, erläuterte Hahulla. Außerdem sei Firefox erweiterbar und auf die persönlichen Bedürfnisse anpassbar.

Schritt 3: So kann Firefox etwa mit dem Programm U-Block verknüpft werden. Das blockiert nach Angaben Hahullas wirkungsvoll Werbung, ohne dass die Benutzerfreundlichkeit leide. Das gelte allerdings nur für Geräte mit Android-Betriebssystem. Bei Apple-Produkten sei Firefox nicht, beziehungsweise nur eingeschränkt erweiterbar. Für Apple-Geräte biete sich daher der Browser Firefox-Klar an, der zumindest eingeschränkt Werbung blockiere.

Schritt 4: Wer besonderen Wert auf Datenschutz legt, sollte bei Suchmaschinen auf Anbieter wie Google verzichten oder sie umgehen. Google sammelt Daten und erstellt Profile der Nutzer. Die bekämen daher bei Suchanfragen gefilterte Antworten, erläuterte Neumann. Google kennt also unsere Vorlieben. Wer darauf verzichten will, könne Programme wie Startpage nutzen. Dort würden keine Profile erstellt. Das Prinzip von Startpage: Die Anfrage landet dort und wird von Startpage anonymisiert an Google weitergeleitet. So trete der Nutzer nicht direkt mit Google in Kontakt. Auch bei Startpage gelte, dass die Benutzerfreundlichkeit kaum eingeschränkt werde.

Schritt 5: Auch für den Messenger-Dienst Whats-App gibt es Alternativen. Nach Angaben der Referenten bewegen sich Whats-App-Nutzer oft in der rechtlichen Grauzone, weil der Dienst Zugriff auf die Adressbücher der Nutzer habe. Das sei aber nur statthaft, wenn sich die Nutzer den Zugriff von den in den Adressbüchern verzeichneten Menschen erlauben ließen. Bei Programmen wie Conversations (Android) oder Chat-Secure (IOS) sei der Adressbuch-Zugriff nicht zwingend erforderlich.

Steffi Könemund war am Ende zufrieden. „Es gab viele neue sinnvolle Informationen, die sofort umgesetzt werden können“, lobte sie die Referenten. Auch Frank Jungesblut hat dazugelernt: „Das Seminar war beeindruckend, ich kann es empfehlen.“

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