Wasserstoff und Stahl – aber wie?

Salzgitter.  Die Salzgitter AG und Thyssen-Krupp wollen „grünen“ Stahl mit jeweils eigenen Strategien.

Wasserdampf kommt aus einem Kessel vor Hochofen 8 von Thyssen-Krupp im Stahlwerk Duisburg.

Wasserdampf kommt aus einem Kessel vor Hochofen 8 von Thyssen-Krupp im Stahlwerk Duisburg.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Der Stahl-Konzern Salzgitter AG hatte mit seinem im vergangenen Jahr vorgestellten Salcos-Projekt für Aufsehen gesorgt. Durch den Einsatz von Wasserstoff und durch die Elektrifizierung von Produktionsprozessen soll der CO2-Ausstoß in der Stahl-Produktion bis 2050 schrittweise um 95 Prozent reduziert werden. Nun startete am Montag der Duisburger Konkurrent Thyssen-Krupp eine Versuchsreihe in der Stahl-Produktion: Das Unternehmen setzt dabei ebenfalls Wasserstoff ein, bis 2050 will es klimaneutral werden.

So ähnlich die Ansätze der Unternehmen klingen, so unterschiedlich sind sie in den technischen Details. Dabei sieht sich die Salzgitter AG im Vorteil, beruft sich auf eine bessere Energieeffizienz und mehr Nachhaltigkeit.

Ein zentraler Baustein beim Umbau der Stahl-Produktion ist der Einsatz von Wasserstoff . Der soll in der Eisengewinnung im Hochofen beziehungsweise im Schachtofen die bisher eingesetzte Kokskohle und den Kohlenstaub ersetzen oder erst gar nicht erforderlich machen.

Der Vorteil von Wasserstoff: Beim Einsatz in der Eisengewinnung entsteht lediglich Wasser. Der Nachteil: Die Produktion von Wasserstoff ist energieintensiv. Wird dafür Strom eingesetzt, der nicht aus Wind, Sonne oder Wasser erzeugt wurde, wird viel CO2 freigesetzt. Der Einspareffekt in der Eisengewinnung würde also schon vorher bei der Wasserstofferzeugung „aufgefressen“. Die Salzgitter AG will daher Wasserstoff stets mit „grünem“ Strom erzeugen.

Wasserstoff kann auch aus Erdgas gewonnen werden. Dazu kooperiert Thyssen-Krupp nach Angaben eines Sprechers mit dem norwegischen Öl- und Gas-Konzern Equinor. Allerdings wird dabei ebenfalls CO2 freigesetzt. Das soll nach Angaben des Sprechers unterirdisch unter der Nordsee gespeichert werden. Diese Strategie wird in Salzgitter abgelehnt. Ein Sprecher verwies auf Unwägbarkeiten „hinsichtlich des ,ewigen’ sicheren Einschlusses“. Daher habe sich das Unternehmen dagegen entschieden.

Unterschiedliche Strategien verfolgen beide Konzerne auch beim Einsatz des Wasserstoffes in der Eisengewinnung. Thyssen-Krupp testet gerade das Einblasen von Wasserstoff direkt in einen der vier eigenen Hochöfen. Dort soll Wasserstoff den bisher verwendeten Kohlenstaub ersetzen. Bis 2022 soll das Verfahren auf alle vier Hochöfen ausgerollt werden. Die Salzgitter AG dagegen will ihre Hochöfen durch Schachtöfen, der Fachbegriff lautet Direktreduktionsanlage, ersetzen. Dort wird Wasserstoff statt Kokskohle eingesetzt.

Die Salzgitteraner begründen ihre Planung mit der höheren Energieeffizienz der Schachtöfen. „Den CO2-freien Hochofen kann es grundsätzlich nicht geben. Die maximale CO2-Ersparnis durch Wasserstoffeinblasen liegt bei vermutlich maximal 20 Prozent.“ Die Eisengewinnung im Schachtofen auf Wasserstoffbasis fange auf diesem Niveau erst an. „Die Wasserstoffeinblasung in einen konventionellen Hochofen kann daher aus unserer Sicht allenfalls eine Übergangstechnologie mit allerdings vergleichsweise geringem CO2-Einspapotenzial sein“, hieß es aus Salzgitter. „Wir wollen uns unnötige Zwischenschritte ersparen und setzen gleich auf eine energieeffiziente, zukunftssichere und nachhaltige Technologie.“

Beide Unternehmen arbeiten nach eigenen Angaben bisher nicht zusammen, etwa wenn es um den Ausbau einer Wasserstoff-Infrastruktur geht. Von Thyssen-Krupp hieß es, dass eine Kooperationen mit anderen Stahl-Erzeugern perspektivisch nicht ausgeschlossen werde. Die Salzgitter AG verwies hingegen darauf, dass das europäische Wettbewerbs- und Kartellrecht eine Zusammenarbeit konkurrierender Unternehmen „nahezu unmöglich“ mache. Debatte

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