Einbruch in der Autoindustrie belastet Stahlkonzern Salzgitter AG

Salzgitter.  Nach den ersten sechs Monaten steht ein Minus von 144,7 Millionen Euro nach Steuern. Corona traf den Konzern im zweiten Quartal noch stärker.

Der Stahlhersteller Salzgitter AG hat im ersten Halbjahr wegen der Corona-Krise einen Millionenverlust verbucht (Archivbild).

Der Stahlhersteller Salzgitter AG hat im ersten Halbjahr wegen der Corona-Krise einen Millionenverlust verbucht (Archivbild).

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgen für rote Zahlen beim Stahlhersteller Salzgitter AG. Vor allem das zweite Quartal sei deutlich stärker beeinträchtigt durch die Krise als die ersten drei Monaten des Jahres, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Derzeit liege der Fokus auf dem Management der wirtschaftlichen Auswirkungen. „Oberste Priorität besitzt die Sicherung der Liquidität des Konzerns“, sagte Vorstandsvorsitzender Heinz Jörg Fuhrmann.

Im ersten Halbjahr verbuchte der Konzern einen Verlust von 127,8 Millionen Euro vor Steuern, unterm Strich von minus 144,7 Millionen Euro. Im Vorjahreshalbjahr hatte die Salzgitter AG noch 96,4 Millionen Euro Gewinn verzeichnet. „Besonders der Nachfrageeinbruch aus der Automobilindustrie belastete unser Unternehmen, während sich die Baubranche stabil zeigte“, erklärte der Konzern in einer Mitteilung am Mittwoch. Vorläufige Geschäftszahlen hatte der Stahlproduzent bereits Ende Juli bekanntgegeben.

„Eigenkapitalquote nach wie vor solide“

Der Umsatz des Konzerns ging von Januar bis Juni um 20 Prozent auf 3,63 Milliarden Euro zurück. Dass der Verlust nicht höher ausgefallen ist, liegt nach Angaben der Salzgitter AG an frühen Einsparmaßnahmen zu Beginn der Krise, eigener Liquiditätssicherung und auch an der knapp 30-prozentigen Beteiligung am Hamburger Kupferhersteller Aurubis, die der Salzgitter AG 34 Millionen Euro einbrachte. Das Eigenkapital schmolz im ersten Halbjahr um mehr als 400 Millionen Euro auf knapp 2,8 Milliarden Euro. Mit 34,4 Prozent Eigenkapitalquote sei die Bilanz des Salzgitter-Konzerns aber nach wie vor solide, teilte die Salzgitter AG mit.

Alle Salzgitter-Gesellschaften im Minus

„Nicht zuletzt dank unserer auf Diversifikation des Konzernportfolios ausgerichteten Strategie wurden die Auswirkungen der Pandemie auf unser Geschäft abgemildert“, erklärte Salzgitter-AG-Chef Heinz Jörg Fuhrmann. Einzig im Bereich der industriellen Beteiligungen, wie etwa an der Kupferhütte Aurubis, erzielte die Salzgitter AG mit 17,4 Millionen Euro einen Gewinn vor Steuern. Der Geschäftsbereich Flachstahl verzeichnete dagegen den größten Verlust mit einem Fehlbetrag von 69,2 Millionen Euro vor Steuern, im Vorjahr verbuchte der Bereich einen Gewinn von 60,3 Millionen Euro. Weit mehr als die Hälfte der Flachstahlprodukte gehen in die Automobilindustrie.

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Der Geschäftsbereich Grobblech mit der Tochter Peiner Träger lag mit 27 Millionen Euro vor Steuern im Minus, im ersten Halbjahr 2019 hatte er mit 600.000 Euro einen kleinen Gewinn geschrieben. Grobbleche werden im Metall-, Schiff- und Maschinenbau verwendet, aber auch beim Bau von Windtürmen. Röhrenhersteller Mannesmann schrieb einen Verlust von minus 22,7 Millionen Euro nach 9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Vorsteuerergebnis im Geschäftsbereich Technologie – darin fasst die Salzgitter AG ihre Anlagenhersteller zusammen – sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 26,7 Millionen Euro auf minus 10,6 Millionen Euro. Auch im Handel rutschte sie Salzgitter AG tief in die roten Zahlen und schrieb im ersten Halbjahr einen Verlust von 15,8 Millionen Euro.

Verlust für Gesamtjahr erwartet

Am bereits bekannten Ausblick für das gesamte Geschäftsjahr hielt die Salzgitter AG am Mittwoch fest. Sie geht nach wie vor davon aus, dass das zweite und dritte Quartal den Tiefpunkt in der Krise darstellen werden. Für das Gesamtjahr erwartet der Stahlproduzent einen „merklich reduzierten Umsatz“ und ein negatives Vorsteuerergebnis im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionen-Bereich.

Die Salzgitter AG ist Europas zweitgrößter Stahlhersteller und beschäftigt rund 24.650 Mitarbeiter, davon 23.000 Stammbeschäftigte. Im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als 23.600.

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