Eltern wehren sich gegen geplante Krippengebühren

Wolfenbüttel.   Die Stadt Wolfenbüttel will die Gebühren für Krippen und Horte neu regeln. Für Eltern mit höheren Einkommen wird es teurer. Nun wird Kritik laut.

Die Stadt Wolfenbüttel will die Gebühren für Krippen neu ordnen. Eltern kritisieren die Pläne.

Die Stadt Wolfenbüttel will die Gebühren für Krippen neu ordnen. Eltern kritisieren die Pläne.

Foto: Archiv

Gegen die Pläne der Stadt, die Gebühren für Kinderkrippen und Horte neu zu regeln, formiert sich Widerstand. Etwa 30 Eltern trafen sich vergangene Woche, berichtet Elternvertreter Torsten Schaßan. Die Teilnehmer seien bereits in einer Whats-App-Gruppe organisiert. Die wesentlichen Kritikpunkte: Die geplante neue Gebührenstaffelung belaste gerade in den oberen Stufen die Eltern zu stark. Außerdem habe die Stadt die Öffentlichkeit über ihre Pläne nur unzureichend informiert.

Beispielsweise Sven Steinle sieht das so. Vor zwei Wochen habe am Spint seiner Tochter in einer Kita -Gruppe ein Hinweiszettel gehangen. Es sei keine offizielle Information zu dem Thema gewesen. „Klammheimlich“ sollte eine Beitragserhöhung durchgewunken werden, kritisiert Steinle. Die Stadt verweise zwar auf ihre Internet-Seiten, über die sie informiert habe. Steinle ist allerdings der Ansicht, dass das nicht ausreiche. „Die Stadt muss so etwas offensiv tun“, fordert er.

Die geplante neue Satzung regelt die Beiträge neu. Damit ist nicht für alle Eltern eine Erhöhung der Gebühren verbunden. Es gibt eine soziale Staffelung. In den unteren Bereichen sinken die Beiträge , in den oberen Bereichen steigen sie. Die Staffelung wird weiter nach oben ausgebaut. Bislang erfasst die höchste Stufe alle Eltern mit einem Einkommen ab 71.501,01 Euro. Sie zahlen für einen Ganztags-Krippenplatz 357 Euro. Künftig soll es weitere Stufen geben. Die höchste würde bei einem Jahreseinkommen von 122.555,01 Euro beginnen. So einkommensstarke Familien sollen für einen Ganztags-Krippenplatz monatlich 660 Euro zahlen. Das sieht zumindest die stark diskutierte Variante I vor (wir berichteten mehrmals).

Auch für die Steinles würde es teurer werden. Bei seinem Einkommen werde ihn der Krippenplatz für seine Tochter monatlich über 300 Euro mehr kosten, sagt der Vater. Das belaste die Familienplanung: „Da ist an ein weiteres Kind nicht mehr zu denken“, sagt Steinle.

Auch ein weiterer Vater, der seinen Namen nicht nennen möchte, kritisiert die Pläne der Stadt: Viele Familien wären von Erhöhungen betroffen. Bereits jetzt lägen mehr als die Hälfte der Gebührenzahler im Bereich des aktuellen Höchstsatzes, entweder weil ihr Einkommen so hoch sei, oder weil sie keine Unterlagen zum Nachweis eines niedrigeren Einkommens eingereicht hätten. Die Stadt bestätigt das auf Nachfrage.

Viele Eltern wären schon mit einem Aufschub zufrieden, fasst Eltern-Vertreter Torsten Schaßan Positionen zusammen. Dann müssten nicht gleich die großen Steigerungen in die Planung einbezogen werden. Außerdem werde kritisiert, dass die Stadt den derzeitigen Geschwisterbonus verringern wolle. Überlegenswert sei auch, bei den Gebührenforderungen Unterhaltszahlungen zu berücksichtigen.

Wünschenswert wäre eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Thema. Er selbst sei zwar in die Diskussion einbezogen gewesen, habe aber vielleicht die Brisanz des Themas zunächst nicht erkannt.

Die Stadt wehrt sich derweil gegen Vorwürfe, das Thema hinter verschlossenen Türen vorangetrieben zu haben. Seit September 2018 werde darüber diskutiert, der Elternvertreter sei einbezogen gewesen. Es habe eine amtliche Bekanntmachung gegeben. Das Vorhaben sei im Ratsinformationssystem und in den Ausschüssen aufgetaucht. „Von uns gab es nichts, was im stillen Kämmerlein beschlossen wurde“, sagt Sprecher Thorsten Redlein.

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