Hoffmanns politisch Lied klingt auch dadaistisch

Fallersleben.  Das Vokalensemble Artonal und Schauspieler Götz van Ooyen tragen neu arrangierte Lieder und Texte vor.

Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum lud zum zweiten literarisch-musikalischen Abend „Zwischen Ernst, Scherz und Schlaraffenland“ ein.

Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum lud zum zweiten literarisch-musikalischen Abend „Zwischen Ernst, Scherz und Schlaraffenland“ ein.

Foto: Helge Landmann / Regios24

1813, Napoleon verlor die Völkerschlacht bei Leipzig, schrieb Theodor Körner: „Lützows wilde, verwegene Jagd“. Karl-Maria von Weber komponierte eine passende Musik. Das Vokalensemble Artonal stimmte dieses Lied am Samstagabend im Gewölbekeller des Hoffmann-von-Fallersleben-Museums an. Zur Eröffnung des Programms „Zwischen Ernst, Scherz und Schlaraffenland“. Sogleich gefolgt „So seid gegrüßt viel tausendmal“ des Romantikers Robert Schumann, getextet von Hoffmann von Fallersleben. Der Schauspieler Götz van Ooyen erläuterte, dass Hoffmann „Burschenschaftler, Freigeist, Träumer und Idealist“ war. Er verband Politik und Poesie. Das war eine Rebellion. Gegen Goethe, der „in Auerbachs Keller“ postulierte: „Politisch Lied - garstig Lied“. Das Vokalensemble sang diese Zeile dadaistisch den Dichterfürsten verhöhnend und trotzig den Aufstand des jungen Deutschlands darstellend. Hoffmann nutzt die Poesie als scharfe Waffe und verdient sogar daran.

Ooyen zitiert aus Spitzelberichten nach seiner Absetzung als Professor in Breslau aufgrund seiner „Unpolitischen Lieder“: Der nun fahrende Sänger lebe davon recht gut. Liberale Kaufleute unterstützten ihn, Bürger und Studenten kauften seine Bücher. So sang Artonal von Oliver Gies wirkungsvoll neu arrangierte Kinderlieder-Potpourris: vom „Kuckuck und Esel“ bis „Ein Männlein steht im Walde“. Die Sängerinnen und Sänger erwiesen sich so als experimentierfreudig. Sie gaben den Liedern ihren spezifischen Ausdruck, indem sie mal stimmungsvolle, romantische Bilder entstehen ließen, um dann spöttisch auf die Gesellschaft zu blicken oder zornig aufzutrumpfen.

Auch auf Kroatisch oder Türkisch. Denn, erläuterte Götz van Ooyen, die Haydn’sche Kaiserhymne war ein ursprünglich kroatisches Lied. Hoffmann dichtete zu dieser Melodie „Einigkeit und Recht und Freiheit“, die der türkische Dichter Murat Üstün im 21. Jahrhundert auch für andere Völker fordert. Das ist eine hohe Anerkennung des politischen Wirkens Hoffmanns. Der, wie Ooyen betonte, „Ungebeugt, sich treu bleibend, seine Ideale“ auch im Alter als Bibliothekar in Corvey vertrat.

Ooyen verband wie Hoffmann Witz, Ironie und Lebenslust in seinen mit geschulter Stimme vorgetragenen Essays. Langer Beifall für die gegenüber der Premiere 2018 intimere Vorstellung, die dank der Unterstützung durch Hoffmann-Gesellschaft und Lions-Club Hoffmann von Fallersleben erst möglich wurde.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder