Bluttat in Vorsfelde – Schüsse fielen nicht aus dem Auto

Wolfsburg.  Die Schießerei in Vorsfelde fand in einer Wohnung statt. Der 20-Jährige, der später verstarb, ließ sich zur Tatzeit ein Tattoo stechen.

Der Tag nach der Tat: Mehr als 40 Meter war die blutspur an der Meinstraße lang.

Der Tag nach der Tat: Mehr als 40 Meter war die blutspur an der Meinstraße lang.

Foto: Hendrik Rasehorn

Die Schießerei in Vorsfelde, bei der ein 20-jähriger Albaner getötet und ein Landsmann (31) schwer verletzt wurde, ist fast einen Monat her. Die Mordkommission „Tattoo“ der Polizei Wolfsburg hält bei der Fahndung nach dem oder den Tätern den Ermittlungsdruck aufrecht, weiterhin arbeiten 25 Frauen und Männer an dem Fall. Unterdessen räumt die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf Nachfrage unserer Zeitung mit Gerüchten auf und nennt neue Details zum Fall.

Nach der Tat am Abend des 13. August 2016 gab sich die Polizei zurückhaltend und erklärte lediglich, das Geschehen am Tatort stelle sich „sehr unklar“ dar.

Parallel schossen in den sozialen Netzwerken allerhand Gerüchte ins Kraut, die auch von manchen Medien gerne aufgegriffen wurden. So hieß es, der oder die Täter hätten aus einem fahrenden Auto heraus die Schüsse auf die beiden Albaner abgegeben. Ein derart brutales Vorgehen wäre in der Wolfsburger Kriminalgeschichte wohl einzigartig. Unsere Zeitung berichtete bereits am 21. August, dass eine Hinrichtung der Opfer in Manier eines amerikanischen „Drive-by-Shooting“ höchst unwahrscheinlich sei. Nun stellte auch die Staatsanwaltschaft klar: „Die Schüsse sind nicht aus einem fahrenden Auto heraus auf offener Straße gefallen“, so Sprecher Sascha Rüegg. Vielmehr stellt sich der Fall so dar, dass das eigentliche Tatgeschehen sich nur in dem Haus Meinstraße 59 abgespielt haben soll. In der karg eingerichteten Wohnung im Hochparterre des ehemaligen Restaurants „Mamma Rosa“ hielten sich demnach die beiden Albaner auf, aber nicht nur sie allein.

Neben dem oder den Tätern war mindestens ein weiterer Mann und somit ein mutmaßlicher Augenzeuge der Schießerei anwesend. In diesem Zusammenhang lüftete die Staatsanwaltschaft das Geheimnis, warum die Mordkommission den Namen „Tattoo“ bekam: „Das Opfer wurde von einem Dritten im Haus tätowiert“, berichtete Rüegg unserer Zeitung.

Geklärt ist auch, wem die 40 Meter lange Blutspur auf dem Bürgersteig an der Meinstraße zuzuordnen ist: Während der 20-Jährige schwer verletzt im Haus zusammenbrach und der oder die Täter flüchtete(n), schaffte es der 30-Jährige, der ebenfalls angeschossen wurde, noch aus dem Haus. „Die Blutspur auf dem Gehweg gehört zu dem überlebenden Opfer, das sich verletzt aus der Tatwohnung auf die Straße geschleppt hat. Eine Zuordnung war möglich, weil das Opfer noch auf der Straße angetroffen und notärztlich behandelt werden konnte“, so Rüegg.

Erster Ermittlungserfolg der Polizei war die Sicherstellung des mutmaßlichen Fluchtfahrzeugs, einem weinroten Mercedes C160 Coupe mit einem Kennzeichen aus dem Kreis Havelland (Brandenburg). Das Auto wurde nur einen Tag nach der Tat dank eines Zeugenhinweises in der Feldmark bei Croya (Samtgemeinde Brome) entdeckt. Zu weiteren Details zum Stand der Ermittlungen und der Jagd nach dem oder den Schützen gab die Staatsanwaltschaft keine Auskunft.

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