Mord-Anklage gegen Messerstecher vom Wolfsburger Kaufhof

Wolfsburg.  Weil der 17-Jährige vom Türsteher einer Gaststätte abgewiesen wurde, soll er versucht haben, diesen hinterrücks abzustechen.

Ein Video aus einer Überwachungskamera zeigt den Angriff auf den Türsteher.

Ein Video aus einer Überwachungskamera zeigt den Angriff auf den Türsteher.

Foto: Hendrik Rasehorn

Das Jahr 2020 war kaum ein paar Tage alt, da kam es zur ersten schweren Gewalttat in Wolfsburg. Ein Türsteher wurde in der beliebten Kaufhof-Kneipenmeile mit einem circa 20 Zentimeter langem Messer hinterrücks angegriffen. Er hatte mit Sicherheit viel Glück, dass er eine mit Metallstreben verstärkte Schutzweste trug, sonst wäre er lebensgefährlich, vielleicht tödlich verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig klagt nun den 17-jährigen Tatverdächtigen wegen versuchten Mordes an. Dies bestätigte auf Nachfrage Sprecher Christian Wolters unserer Zeitung.

Hintergrund der Tat vom Morgen des 5. Januar soll gewesen sein, dass der junge Mann das K-Four besuchen wollte, aber vom Türsteher abgewiesen wurde. Eine Stunde später soll er zurückgekehrt sein, mutmaßlich um sich zu rächen. Von der Tat existiert ein Video einer Überwachungskamera, das unserer Redaktion vorliegt. Es zeigt, wie der Täter durch die Passage schlendert, dabei mit einer Hand die Kapuze ins Gesicht zieht. Andere Partygäste nehmen von ihm keine Kenntnis. Dann biegt er zum Eingang des K-Four ab, wo der Türsteher mit dem Rücken zu ihm steht und sich mit anderen Personen unterhält. Nun geht alles schnell: Der Täter zieht ein Messer aus dem Hosenbund, holt aus, sticht dem Türsteher hinten in den Bereich der Niere. Der dreht sich um, der Täter flüchtet, fuchtelt dabei mit dem Messer herum.

Der Türsteher erstatte erst fünf Tage später Anzeige – wollte er den Gesuchten in Wolfsburg selbst ausfindig machen? Jedenfalls wurde der Tatverdächtige am 13. Januar in einem Wettbüro in der Porschestraße wiedererkannt. Auch davon liegt unserer Redaktion ein Video vor, das den mutmaßlichen Messerstecher zeigen soll, wie er auf dem Boden gepresst wird, mehrere Schläge kassiert und blutet.

Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen nichtdeutschen Staatsbürger, der bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, so Wolters. Seit der Festnahme sitzt er in Untersuchungshaft in Hameln. „Er hat keine Angaben zu dem Tatvorwurf gemacht und sich nicht geständig eingelassen“, berichtete Wolters. Die Anklage wurde zur Jugendkammer beim Landgericht Braunschweig erhoben. Verhandlungsbeginn soll 16. Juni sein – sofern die Coronaepidemie bis dahin abgeschwächt ist und öffentliche Verhandlungen möglich sind. Zwei Verhandlungstage sind geplant.

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