Prozess – Die Jagd nach der Wolfsburger Felgenbande

Wolfsburg.  Heute wird der Landgerichtprozess gegen die Felgenbande fortgesetzt. Es wird wohl der große Tag der Geständnisse.

Am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Braunschweig unterhalten sich zwei angeklagte Brüder (gepixelt) mit ihren Verteidigern. Den insgesamt fünf Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie im Zeitraum zwischen Januar 2019 bis zu ihrer Festnahme am 19. November 2019 in Wolfsburg dutzende Räderdiebstähle begangenen haben. Dabei hatten sie es auf die teuren Felgen abgesehen.

Am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Braunschweig unterhalten sich zwei angeklagte Brüder (gepixelt) mit ihren Verteidigern. Den insgesamt fünf Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie im Zeitraum zwischen Januar 2019 bis zu ihrer Festnahme am 19. November 2019 in Wolfsburg dutzende Räderdiebstähle begangenen haben. Dabei hatten sie es auf die teuren Felgen abgesehen.

Foto: Hendrik Rasehorn

Das Gesicht von Christian Wolters ist nun europaweit bekannt. Als Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig hielt er Donnerstag eine international zitierte Pressekonferenz zum Fall Madeleine McCann und zur möglichen Täterschaft eines hiesigen Verdächtigen. Heute Vormittag wird der Erste Staatsanwalt wieder die Anklagebehörde vertreten im Prozess der Wolfsburger Felgenbande vor dem Landgericht Braunschweig. Es wird – wie die Verteidiger bereits angekündigt haben – der große Tag der Geständnisse. Warum wurden die Täter eigentlich nicht viel früher geschnappt und warum konnten Sie, als sie längst im Visier der Ermittler standen, noch über einen Monat ihr Unwesen treiben?

Auf Nachfrage erklärte Wolters, dass im Januar 2019 der erste Angeklagte – einer von zweien, die bis heute in Untersuchungshaft sitzen –, bei einer Polizeikontrolle mit gestohlenen Felgen erwischt wurde. In den folgenden Monaten wurden weitere Felgendiebstähle in Wolfsburg registriert, die wohl auch aufs Konto der Angeklagten gingen – Beweise dafür gibt es aber nicht. „Ab Oktober 2019 begannen die operativen Maßnahmen der Zentralen Kriminalinspektion Braunschweig. Bis dahin war allerdings noch unsicher, wer alles zu der Bande gehörte. Später konnte die Angeklagten keinen Schritt mehr unternehmen, ohne dass wir davon wussten“, erklärt Wolters. So wurden die Telefongespräche der Verdächtigen überwacht. Die wiederum waren aber so pfiffig, ihre Handys daheim zu lassen, wenn sie losfuhren, um Räder zu stehlen. Deshalb verkabelte das ZKI die Autos der Felgenbande mit GPS-Sendern und Beamte in zivil beschatteten die Täter nachts bei ihren Raubzügen.

Der Beginn dieser engmaschigen Überwachung startete Anfang Oktober, aber erst am 19. November 2019 klickten die Handschellen. Allein für diesen Zeitraum werden ihnen 50 Taten vorgeworfen. Hätte man die Angeklagten nicht schon früher verhaften können und wenigstens einigen Autobesitzern den Ärger ersparen können? „Es mussten ja zunächst einmal Beweise gesammelt werden, um die Täterschaft der Angeklagten gerichtssicher belegen zu können. Das war ein Zusammenspiel aus technischen Mittel und Observation“, so Wolters.

Über ihre Verteidiger haben die Angeklagten eingeräumt, dass sie sich zu den Taten geständig einlassen wollen. Zwischen drei und viereinhalb Jahren Haft drohen den Angeklagten, die hoffen, dass ihnen ihre Geständnisse zu ihren Gunsten ausgelegt werden und sie einen Strafrabatt bekommen. Womöglich verzichtet die Kammer dann auf eine langwierige Beweisaufnahme, so dass nächste Woche bereits die Schlussplädoyers gehalten werden könnten.

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