Nur direkter Kontakt erfordert besondere Corona-Maßnahmen

Wolfsburg.  Ein Wolfsburger Ratsherr hatte über zu wenig Informationen geklagt, nachdem das Kind seines Arbeitskollegen zum Verdachtsfall wurde.

Corona-Tests werden nur durchgeführt, wenn es medizinisch sinnvoll erscheint. Grenzfälle gibt es unter anderem bei medizinischem Personal oder Menschen einer Risikogruppe.

Corona-Tests werden nur durchgeführt, wenn es medizinisch sinnvoll erscheint. Grenzfälle gibt es unter anderem bei medizinischem Personal oder Menschen einer Risikogruppe.

Foto: Gil Cohen Magen / dpa

Wie verhalte ich mich, wenn in meinem Umfeld ein bestätigter oder vermuteter Corona-Fall auftritt? Diese Frage ist sowohl eine wichtige und zentrale im Rahmen des Infektionsschutzes, als auch eine sehr schwierig zu beantwortende. Diese Erfahrung machte jüngst auch Ratsherr Bastian Zimmermann, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtete. In der Kita, die der Sohn eines Arbeitskollegen besucht, hatte es einen bestätigten Fall gegeben: Kurz darauf zeigte der Sohn des Arbeitskollegen ebenfalls Symptome.

Für Zimmermann stellte sich die Frage: Wie verhalten, bevor die Testergebnisse da sind und gegebenenfalls auch der direkte Kollege getestet wird? Mehrere Anrufe bei der Stadt seien ins Leere gelaufen, bei bundesweiten Hotlines habe er widersprüchliche Empfehlungen erhalten. Schließlich sagte man ihm beim Bundesgesundheitsministerium: Meiden Sie Kontakte. Zimmermann kritisierte vor dem Hintergrund dieser persönlichen Erfahrung, dass die Stadt nicht mehr Informationen bereit halte oder die Hotline nicht besser besetzt sei.

Kontaktpersonenmanagement greift nur bei direktem Kontakt

Stadträtin Monika Müller bezieht nun zu den Schilderungen des Ratsherrn Stellung: Das Gesundheitsamt verfolge einen klaren Kontaktverfolgungsleitfaden, um relevante Kontakte infizierter Personen zu ermitteln. Aus diesem ergebe sich, wer informiert und wer getestet werden muss. „Im geschilderten Fall ist das nicht so schwierig,“, so Müller, „da ja kein unmittelbarer Kontakt stattgefunden hat. Ohne direkten Kontakt ist jemand keine Kontaktperson im Sinne des Kontaktpersonenmanagements.“

Wie man sich verhalten sollte, wenn im persönlichen Umfeld eine Erkrankung auftritt, sei dabei im Allgemeinen von verschiedenen Variablen abhängig: Etwa davon, wie, wann und wo man mit der infizierten Person in Kontakt getreten ist. „Es gibt natürlich Grenzfälle,“, so Müller, „die im Rahmen des möglichen Ermessens und vor allem mit Blick auf die persönlichen Umstände – handelt es sich um jemanden, der zur Risikogruppe gehört oder eine Tätigkeit in sensiblen Bereichen wie Krankenhaus oder Pflege ausübt – unterschiedlich bewertet werden.“ Das gelte auch für die Reichweite der Personen, bei der ein Abstrich gemacht werde. „Medizinisches Handeln ist zwar einerseits durch Regeln normiert, muss aber natürlich auch immer die konkrete Situation betrachten.“

Städtische Hotline wird stark genutzt – Wartezeiten möglich

Was die Städtische Hotline betrifft, unter der Bürger Informationen erhalten können, informiert Stadtrat Andreas Bauer, dass sich die Zahl der täglichen Anrufe seit Mai auf über 12.000 Anrufe verdreifacht hätten. „Damit konnte das Service Center in der Anrufannahme, trotz Ausweitung der Erreichbarkeitszeiten unter anderem auch an Wochenenden nicht alle Anrufe annehmen“, so Bauer – zumal zugleich die Anzahl der eingehenden Mails um 40 Prozent gestiegen sei. Das könne schon mal zu Wartezeiten führen.

Das sagt das Robert-Koch-Institut

Das RKI unterscheidet zwischen Kontaktpersonen ersten, zweiten und dritten Grades. Beim ersten Grad geht es um Personen, die direkten Kontakt mit hohem Infektionsrisiko mit einer infizierten Person hatten – etwa ein direktes Gespräch ohne Maske über 15 Minuten oder mehr. Der zweite Grad schließt unter anderem Personen ein, die zum Beispiel im selben Raum wie ein Infizierter waren, ohne längeres Gespräch. Der dritte Grad gilt ausschließlich für medizinisches Personal. Menschen ohne direkten Kontakt zu Infizierten gelten nicht als Kontaktpersonen. Sie müssen keine Maßnahmen abgesehen der allgemein geltenden Empfehlungen – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – treffen: Auch dann nicht, wenn über mehrere Verbindungen Kontakt zu einem Infizierten bestand.

Fragen zum Coronavirus beantworten die Städtischen Mitarbeiter von Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr unter (05361) 281234. Antworten auf viele allgemeine Fragen gibt es zudem beim Robert-Koch-Institut (www.rki.de) und beim Bundesgesundheitsamt (www.bundesgesundheitsministerium.de).

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