Elf Wolfsburger Feuerwehrmänner auf einem Dreirad

Unser Kolumnist Eberhard Rohde erzählt in der neuen Folge der „Wolfsburger Geschichten“ über eine besondere Dreiradtour in den 70ern.

Da staunten 1976 die französischen Feuerwehrkollegen, als sie vom damaligen Oberbürgermeister Simson zur Probefahrt mit dem Wolfsburger Feuerwehr-Dreirad geschickt wurden.

Da staunten 1976 die französischen Feuerwehrkollegen, als sie vom damaligen Oberbürgermeister Simson zur Probefahrt mit dem Wolfsburger Feuerwehr-Dreirad geschickt wurden.

Foto: Sammlung Rohde

Dreiradfahren macht Spaß. Hier soll nicht über die Fahrerfahrungen der Kleinen berichtet werden; es geht um sehr bewegungsfreudige Männer. Um Wolfsburger Feuerwehrmänner. Noch genauer gesagt, erzählt wird hier von elf Wolfsburger Berufswehrmännern, vergleichbar mit einer Fußballmannschaft. Die Elf hatte 1975 ihren Freizeitspaß auf einem selbst konstruierten Freizeitgerät.

Wie elf kräftige Männer auf einem Dreirad sitzend die Pedale in Fahrt bringen, das ist tatsächlich eine lustige Geschichte. Ideengeber Steinhoff sinnierte damals, durch nichts kommt man sich näher als durch ein gemeinsames Tun. Mit dem Ergebnis, dass man auf dem Fahrradsattel sitzend, kräftig in die Pedale tritt und den lieben Leuten fröhlich zuwinkt. Freizeitspaß muss sein.

Strapazen, aber auch viel Spaß

Soweit sind wir aber noch gar nicht: Die Liebe zum beweglichen Objekt wuchs bei den Männern der gerade neu eingerichteten dritten Wachabteilung schnell. Die Rad-Team-Arbeit in den kargen Freizeitstunden packte alle. Da wurde geplant, probiert, gesucht, gesammelt und experimentiert. Jupp Fuchs, heute Endachtziger, erinnert sich noch heute an die Strapazen, aber auch an den Spaß.

Man habe ausgediente Fahrradteile gesammelt, wie Räder vom Kleinkraftrad, manch noch brauchbare Fahrrad- oder Motorradkette, den Rahmen geschweißt und auf passende Fahr- und Bremsfähigkeit geachtet. Natürlich musste das Pedalobjekt auch das Gewicht von elf kräftigen Männern tragen. Da rechnen wir doch mal zurück: Durchschnittsgewicht der elf tretbereiten Männer etwa 80 Kilogramm. Das macht mal elf gut 880 Kilogramm Gewicht.

Bierkasten soll auf dem Dreirad für gute Laune gesorgt haben

Vom Gewicht des rollenden Geräts gar nicht zu sprechen. Es rollte also eine Tonne durch Wolfsburg. Irgendwann wurde die schweißtreibende Arbeit belohnt. Siehe, der schnittige Pedal-Koloß rollte davon. Jupp Fuchs sagte damals, eigentlich solle das Dreirad schon zum Vatertag 1975 bereit stehen. Passte nicht so, denn da hätte man doch noch einige technische Hindernisse überwinden müssen. Beim Probefahren soll ein mitgeführter Bierkasten am Heck des Dreirads für Schwung und gute Laune gesorgt haben. Zehn Wehrmänner prosteten dem bierfernen Lenker zu.

Dass ein Jahr darauf eine verbesserte Konstruktion selbst die Männer aus der Partnerstadt Marignane erstaunte, ist eine wichtige Randnotiz. Die Zweitauflage soll, so erinnern sich bejahrte Feuerwehr-Senioren beim Treff am vergangenen Donnerstag im Kleingartenheim von Schäferbusch, deutlich stabiler gewesen sein. Irgendwann muss das bewährte Gerät aus der „Fahrzeit“ verschwunden sein. Die Erinnerung bleibt, wie unser Bild mit dem Besuch der Franzosen im Juni 1976 beweist: der Wehr zur Ehr’.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder