Corona in Wolfsburg: Ältere verzichten auf Pflege

Wolfsburg.  In der Coronakrise versuchen mehr Wolfsburger Senioren, ohne Pflegedienst klar zu kommen. Grund ist die Angst vor Ansteckung.

Samantha Drescher (von links), Karin Selke, Sabine Marx und Maria Capogrosso arbeiten für die Caritas-Sozialstation in Detmerode. In der Coronakrise fürchten viele Senioren, dass ihre Pflegerin sie anstecken könnte.

Samantha Drescher (von links), Karin Selke, Sabine Marx und Maria Capogrosso arbeiten für die Caritas-Sozialstation in Detmerode. In der Coronakrise fürchten viele Senioren, dass ihre Pflegerin sie anstecken könnte.

Foto: Helge Landmann / regios24

Die Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus hält in Wolfsburg einige Senioren davon ab, Pflege in Anspruch zu nehmen. Das stellen die ambulanten Pflegedienste fest.

Der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Wolfsburg, Thorsten Rückert, berichtet, dass einige Kunden der Sozialstation deren Leistungen aus Sorge vor der Infektionsgefahr nicht mehr oder vermindert in Anspruch nähmen. Bei der Caritas und dem privaten Pflegedienst Bettina Harms war dies vor allem zu Beginn der ersten Welle im Frühjahr der Fall. Problematisch sind die Absagen zum einen, weil die Senioren die Pflege natürlich benötigen, und zum anderen, weil sich den Erfahrungen nach oft genau diejenigen zurückziehen, die sonst keinerlei sozialen Kontakte haben.

Pflegekräfte der Wolfsburger Caritas hielten Telefonkontakt und übernahmen Einkauf

„Zu diesen Kunden haben wir zumindest den telefonischen Kontakt aufrechterhalten, um sie nicht allein zu lassen“, sagt Caritas-Geschäftsführerin Barbara-Maria Cromberg. Die Mitarbeiterinnen der Caritas-Sozialstation Detmerode haben darüber hinaus für einige Kunden zumindest die Einkäufe erledigen und bis an die Tür bringen dürfen.

Bei vielen Ängstlichen hat aber relativ schnell das Notwendige über die Furcht gesiegt. Die Einstellung der pflegerischen Versorgung sei bei den Bestandskunden nur von kurzer Dauer gewesen, sagt Cromberg. „Aufgrund der Notwendigkeit wurden die Leistungen der Sozialstation wieder in Anspruch genommen.“

Pflegenden Angehörigen fehlte die Entlastung

Ähnlich lief es beim Pflegedienst Bettina Harms: „Wir hatten nach dem Ausbruch im Hanns-Lilje-Heim eine Vielzahl von Absagen, vor allem im Bereich der Betreuung von Menschen mit Demenz“, schildert die Geschäftsführerin Bettina Tews-Harms. „Die Menschen waren sehr verunsichert und ängstlich.“ Inzwischen normalisiere sich die Lage wieder. „Die pflegenden Angehörigen haben schnell gemerkt, wie gut es ist, immer mal wieder Entlastung durch unsere Mitarbeitenden zu haben.“

Die Pflegerinnen des Deutschen Roten Kreuzes beraten eingehend über mögliche Schutzmaßnahmen, um Senioren ihre Sorgen zu nehmen. Die Mitarbeiterinnen der Caritas-Sozialstation bemerken bei neuen Kunden nach wie vor Zurückhaltung. „Die Angst vor Ansteckung ist groß, so dass Hilfe erst spät in Anspruch genommen wird. Dies kann für die Betroffenen, aber auch für pflegende Angehörige zu erheblichen Belastungen führen“, weiß Barbara-Maria Cromberg.

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