Neue Feuerwehrwachen: Wolfsburg plant mit 115 Millionen Euro

Wolfsburg.  Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs soll überarbeitet werden. Ein Standort für die Nebenwache ist gefunden.

Bis zu 80 Millionen Euro könnte der Neubau einer Feuer- und Rettungswache kosten. Das 1957 errichtete Gebäude in der Dieselstraße entspricht schon lange nicht mehr den heutigen Anforderungen. Weitere 30 bis 35 Millionen Euro werden wohl für eine Nebenwache im Gewerbegebiet Heinenkamp II fällig.  

Bis zu 80 Millionen Euro könnte der Neubau einer Feuer- und Rettungswache kosten. Das 1957 errichtete Gebäude in der Dieselstraße entspricht schon lange nicht mehr den heutigen Anforderungen. Weitere 30 bis 35 Millionen Euro werden wohl für eine Nebenwache im Gewerbegebiet Heinenkamp II fällig.  

Foto: Helge Landmann / regios24

Bis zu 115 Millionen Euro könnte der Bau einer neuen Feuer- und Rettungswache sowie einer Nebenwache für die 210 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr der Stadt Wolfsburg kosten. Die Pläne stellt die Verwaltung in den nächsten Ortsrats- und Ausschusssitzungen der Politik vor. Dabei wird sie um die Freigabe von 3,45 Millionen Euro für Planungskosten bitten. Am 16. Dezember soll der Rat über die Planungsvorlage für die „Zwei-Wachen-Strategie“ entscheiden.

70 bis 80 Millionen für Hauptwache

Die Hauptwache soll auf dem freien Grundstück an der Dieselstraße 26 entstehen, direkt neben dem aktuellen Standort. Das erwartete Investitionsvolumen liegt nach heutigem Stand bei 70 bis 80 Millionen Euro. Ziel der Verwaltung ist es, über eine Objektvorlage im Sommer 2021 abstimmen zu lassen. Der Baubeginn könnte dann Ende 2022 sein, die Inbetriebnahme 2025.

Anschließend soll die Nebenwache im Gewerbegebiet Heinenkamp II auf einer freien Fläche an der Landesstraße 294 gegenüber des Hagebaumarkts errichtet werden. Hier kalkuliert die Stadt mit Kosten zwischen 30 und 35 Millionen Euro. Baubeginn im „Lindenkamp“ wäre 2025, die Inbetriebnahme 2027. „Eine gleichzeitige intensive Bearbeitung beider Projekte würde die Stadt Wolfsburg sowohl finanziell als auch personell überfordern“, begründet die Verwaltung das Vorgehen. Der Standort „Lindenkamp“ wurde von den untersuchten Standorten als am besten geeignet bewertet, da die Berufsfeuerwehr von dort aus sämtliche Stadtteile innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfristen erreichen könne.

Kölner Architektenbüro ist wieder im Rennen

Die Stadt hat bisher schon mehr als vier Millionen Euro für die Planung ausgegeben und war vor Jahren bereits deutlich weiter. 2014 gewann das Kölner Architekturbüro Gatermann + Schossig den ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für einen Neubau. Während seiner Sitzung am 3. Juli 2019 kippte der Rat die ursprünglich vorgesehene Ein-Wachen-Strategie mit dem Standort Dieselstraße und beschloss eine komplette Neuplanung mit zwei Standorten.

Sven Gaeßler, Architekt und Geschäftsführer von Gatermann + Schossig, die sich mittlerweile die Supergelb-Architekten nennen, hatte gegenüber unserer Zeitung erklärt, den Entwurf problemlos überarbeiten und so bis zu 15 Millionen Euro einsparen zu können. Dieses Angebot hat die Stadt für die Hauptwache inzwischen angenommen. „Eine entsprechende Machbarkeitsstudie wurde beauftragt und ist in Arbeit. Das Ergebnis wird zum Jahresende erwartet. Ein unmittelbares Aufsetzen auf den Ergebnissen unter Beibehaltung des bisherigen Projektteams ist wahrscheinlich“, heißt es in der Vorlage. Die Verwaltung geht davon aus, dass durch die Überarbeitung des bisherigen Entwurfs die erwarteten Kosten reduziert werden können, im Wesentlichen durch Reduzierung der Geschossigkeit und eine Vereinfachung der Tragkonstruktion.

Finanzierung mit Schuldscheindarlehen

Zur Finanzierung des Großprojekts empfiehlt die Verwaltung angesichts der hohen Verschuldung der Stadt ein Schuldscheindarlehen als Alternative zum klassischen Kommunalkredit. Diese Darlehen erweitere das Investorenspektrum (Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Fonds), sei in der Ausgestaltung flexibel und verspreche günstige Marktkonditionen. Für die Nebenwache sollen alternative Beschaffungsvarianten geprüft werden, heißt es.

„Die Situation duldet überhaupt keinen Aufschub mehr“, hatte der für den Brand- und Katastrophenschutz zuständige Dezernent Andreas Bauer kürzlich mit Blick auf die 1957 errichtete Feuerwehrwache in der Dieselstraße gesagt. Günter Lach (CDU), Vorsitzender des Feuerwehr-Ausschusses, hatte die Situation nach einer Besichtigung als „menschlich nicht mehr hinnehmbar“ bezeichnet.

Die Verwaltung hat eine Mängelliste für die Feuerwehrwache vorgelegt:

Die Feuer- und Rettungswache der Berufsfeuerwehr wurde für etwa 120 Personen geplant, aktuell arbeiten dort etwa 210 Mitarbeiter. Die Sozial- und Aufenthaltsräume sind zu klein, ebenso die der Leitstelle. Es gibt keine Erweiterungsoptionen, so dass bei erhöhtem Notrufaufkommen wie zum Beispiel bei Unwettern nicht alle eingehenden Notrufe unmittelbar abgearbeitet werden können.

Bei Starkregen gibt es regelmäßig Wassereinbrüche in der Schlauchwerkstatt, dem Treppenraum der Wachabteilung (Hauptverkehrsweg zu den Einsatzfahrzeugen) und in der Verwaltung.

Die Stromkreise des im Jahre 1957 gebauten Gebäudes sind derart veraltet, dass von einer Ertüchtigung von Fachleuten abgeraten wird. Somit können keine weiteren Verbraucher am Stromkreis angeschlossen werden.

Das fest installierte Notstromaggregat aus dem Jahr 1965 versorgt nur Teile der Feuer- und Rettungswache.

Das Trinkwassersystem kann nur mit vielen Provisorien aufwendig instandgehalten werden und entspricht ebenso wie die raumluft- und kältetechnischen Systeme nicht ansatzweise dem heutigen Stand der Technik.

Sämtliche Fahrzeughallen entsprechen nicht mehr der Norm. Durch die räumlichen Gegebenheiten wird gegen Arbeitsschutzvorschriften verstoßen. Die Deckentragfähigkeit in der Fahrzeughalle an der Dieselstraße zeigt trotz des Verbaus einer Stahlträgerkonstruktion Ermüdungserscheinungen. Zwei der sechs Fahrzeugstellplätze dürfen von Großfahrzeugen nicht mehr befahren werden.

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