Kirche in Wolfsburg war noch nie so multimedial unterwegs

Wolfsburg.  Die Kirchen in Wolfsburg gehen im Corona-Jahr neue Wege, um die Advents- und Weihnachtszeit trotz der Krise zu zelebrieren.

Pfarrvikar Patrick Stauß leitet in einer leeren Kirche einen Gottesdienst.

Pfarrvikar Patrick Stauß leitet in einer leeren Kirche einen Gottesdienst.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa / Symbolfoto

„Natürlich findet Weihnachten statt. Das Urweihnachten war eine eigenartige Situation, Krippe, Stall, kalt. Das waren harte Bedingungen, aber: Die Menschen haben zu allen Zeiten Weihnachten gefeiert.“ Das sagte Pfarrer Thomas Hoffmann von der katholischen Kirche in Wolfsburg in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Es ging um Kirche im Advent, um das Weihnachtsfest in einem so ungewohnten Jahr. Was ist möglich, was wird nicht stattfinden, und wie funktioniert Kirche in diesen Tagen? Über all das sprachen wir außer mit Hoffmann auch mit Propst Ulrich Lincoln von der Propstei Vorsfelde sowie Superintendent Christian Berndt vom Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen. Eines wurde dabei klar: Kirche war vermutlich noch nie so multimedial unterwegs und zudem so kreativ, wie sie es in diesen Tagen ist.

Ursprünglich ist der Advent eine Zeit der Besinnung, des Wartens und Erwartens, sogar der Buße und des Fastens. Das ist lange her, denn gesellschaftlich wird der Advent mit Genuss und Geselligkeit verbunden. Die haben in diesem Jahr allerdings ihre Grenzen. Und für Superintendent Christian Berndt gewinnt „Genuss“ einen besonderen Wert. „Wir werden vieles nicht können, was immer dazu gehört hat, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Betriebsfeiern, Adventsfeiern, die Seniorenkreise, Chöre, die nicht singen können“, sagte er, aber: „Wir dürfen weiterhin unsere Gottesdienste feiern.“ Durch die Corona-Zeit, da ist sich der Superintendent sicher, werde der Blick auf das Wesentliche geschärft.

Propst Ulrich Lincoln aus Vorsfelde will die Gläubigen gar nicht zu sehr dazu überreden, in die Kirche zu gehen. „Wir wissen, dass viele nicht in die Kirche kommen, weil sie vorsichtig sind“, erklärte er. Wenn sie kämen, dann sollten sie sich auch sicher fühlen dürfen. Eine echte Herausforderung, denn, wie Thomas Hoffmann von den Katholiken feststellte: „Zu uns kommen noch sehr viele Menschen in die Kirche“, sagte er und seine Dankbarkeit war hörbar.

Die Corona-Pandemie hat eine Entwicklung eingeleitet, sie mindestens beschleunigt, die es in dieser Form wohl nicht gegeben hätte: Kirche multimedial gepaart mit enormer Kreativität. Damit, so erklärte es Christian Berndt, erreiche man inzwischen Menschen, die sonst nicht in die Kirche gehen. Gemeint sind etwa gestreamte Gottesdienste und Andachten, Krippenspiele als Bildgeschichte, oder als Videosequenzen, Letzteres zelebrieren die Kinder und Jugendlichen der Katholischen Kirchen in Wolfsburg.

Die Stadtkirchengemeinde bietet einen virtuellen Adventskalender und Abendgrüße via Youtube. Andachten und Grußworte als Newsletter, alle Gemeinden, die evangelischen wie die katholischen, haben eigene Aktionen entwickelt. Und Heiligabend wird in diesem Jahr ein ganz besonderer: Die Katholiken feiern um 15 Uhr einen Gottesdienst im Drömlingsstadion, die St.-Petrus-Gemeinde in Vorsfelde hat eine Bühne für einen Heiligabendgottesdienst unter freiem Himmel aufgebaut.

Bei allem, was anders und in vielerlei Hinsicht auch besser ist: „Uns geht es im Vergleich zu den Geschehnissen vor 80 und 100 Jahren etwa noch prächtig“, mahnt Ulrich Lincoln. Thomas Hoffmann verspricht: „Ja, wir werden Weihnachtslieder singen.“ Und Christian Berndt macht mit den Engeln vom Felde zu Jesu Geburt Mut: „Fürchtet euch nicht, seid getrost und unverzagt. Achtet aufeinander und übt Nächstenliebe.“

Die Angebote der Kirchen sind unter anderem im Internet zu finden: www.kirche-wolfsburg-wittingen.de, www.kirchewolfsburg.de und www.propstei-vorsfelde.de.

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