Schwefelbad Fallersleben: Bärbel Weist attackiert Dezernentin

Fallersleben.  Die Schwefelbad-Ausschussvorsitzende erhebt in einer E-Mail schwere Vorwürfe. Nach Rücksprache mit Monika Müller rudert sie dann aber zurück.

Wassergymnastik ist das Schwefelbad-Zugpferd – wenn nicht gerade Corona ist.

Wassergymnastik ist das Schwefelbad-Zugpferd – wenn nicht gerade Corona ist.

Foto: Helge Landmann / regios24 (Archiv)

Das Thema ist nicht nur umstritten, sondern bietet regelrecht Zündstoff: Am Dienstag ging es im Schwefelbad-Ausschuss um die vom VfB Fallersleben angebotene Übernahme des städtischen Therapiezentrums in Fallersleben. Die Gespräche dazu sollen nach dem Willen von Klinikumsdezernentin Monika Müller bis nach der Kommunalwahl im September 2021 ruhen. Die Vorgehensweise bei der Kommunikation dieser Entscheidung veranlasste die Ausschuss-Vorsitzende Bärbel Weist (PUG) am Donnerstag zu heftigen Vorwürfen gegen die Dezernentin.

Was der Auslöser für die Empörung war

Auslöser für die Empörung der Politikerin war die Tatsache, dass die Dezernentin den künftigen Umgang mit dem hochsensiblen Thema am Dienstagmittag in einem Pressegespräch des Klinikums bekanntgab, unter dessen Dach das Therapiezentrum läuft. Drei Stunden später fehlte Müller dann allerdings im Ausschuss, in dem an ihrer Stelle Schwefelbad-Leiterin Maren Körber die Entscheidung noch einmal öffentlich bekanntgab.

In einer E-Mail an die Wolfsburger Zeitungen – die nicht an die betroffene Dezernentin ging –, wertete Weist Müllers Agieren am Dienstag als Beleg für mangelndes Interesse der Dezernentin am Ausschuss. Sie warf ihr sogar vor, dass sie „handelnde Personen des Ausschusses in der Öffentlichkeit lächerlich macht“. Sie kritisierte auch, dass die Dezernentin mit dem VfB-Vorsitzenden Professor Dr. Nicolas Heidtke Gespräche „hinter verschlossenen Türen“ geführt habe, was zu viel Aufregung unter Mitarbeitern und Kunden des Schwefelbads geführt habe. Abschließend machte sie deutlich, dass sie das alles nicht für einen fairen Umgang miteinander halte.

Pressegespräch mit Dezernentin, im Ausschuss fehlte sie

Angesprochen auf die Vorwürfe in dem Schreiben, präzisierte Weist, die den Ausschuss seit vielen Jahren leitet, seit gut 40 Jahren Ortsbürgermeisterin von Fallersleben ist und strikte Gegnerin einer Schwefelbad-Übernahme durch den VfB, den Grund für ihre totale Verärgerung: „Ich habe mich vorgeführt gefühlt.“ Der Termin für die Ausschuss-Sitzung sei abgestimmt gewesen. Und dann habe sich herausgestellt, dass es vorher ein Pressegespräch mit der Dezernentin gab, sie aber dem Ausschuss fernblieb. Hinzu sei gekommen, dass just zu Sitzungsbeginn online bereits das gemeldet wurde, was Weist und die übrigen Politiker dann erst im Ausschuss erfuhren.

Die Dezernentin vermochte die Vorwürfe der Ausschuss-Vorsitzenden nicht ganz nachzuvollziehen, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und es ist meine Pflicht, mit dem Sportverein zu sprechen, wenn er so ein Angebot macht.“ Zu ihrem Fehlen im Ausschuss versicherte Müller: „Ich bin zum Zeitpunkt des Pressegesprächs noch davon ausgegangen, am Ausschuss teilzunehmen. Aber ich musste dann aus dringenden privaten Gründen nach Hause.“

Dezernentin rief die Ausschussvorsitzende kurzerhand an

Monika Müller griff jedenfalls am Donnerstag kurzerhand zum Telefon und suchte das persönliche Gespräch mit Bärbel Weist, nachdem sie über Dritte und von unserer Zeitung von deren Vorwürfen erfahren hatte. Und räumte anschließend in Bezug auf die zeitliche Abfolge und ihr Fehlen in der Sitzung ein: „Ich kann ihren Ärger verstehen.“ Sie habe ihr für die Zukunft angeboten, jederzeit zu telefonieren.

Die Dezernentin stellte klar, dass die Kommunikation anders lief als geplant. Es sei versäumt worden, eine Sperrfrist fürs Pressegespräch zu verhängen. Das hatte Klinikumsdirektor Wilken Köster nach Kritik von Stefan Kanitzky (FDP) schon im Ausschuss versichert: „Das werden wir abstellen.“ Wobei die von ihm genannte Sperrfrist bis 19 Uhr – wenn der Ausschuss ab 17 Uhr tagt – keine Option sein wird: Es handelt sich schließlich um eine öffentliche Sitzung.

Politikerin äußerte Verständnis für Verhinderung aus privaten Gründen

Weist äußerte nach dem Telefonat mit der Dezernentin absolutes Verständnis für deren Verhinderung aus dringenden Privatgründen. Und sie hätten sich auch inhaltlich zum heiklen Übernahme-Thema ausgetauscht. Sie will künftig bei Unstimmigkeiten das Gespräch suchen.

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