Fastenbrechen Braunschweig

Muslime, Christen und Juden feiern Fastenbrechen in Braunschweig

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Sergen Mengenecioglu von der Union Muslimischer Studenten an der TU Braunschweig sprach das gemeinsame Bittgebet.

Sergen Mengenecioglu von der Union Muslimischer Studenten an der TU Braunschweig sprach das gemeinsame Bittgebet.

Foto: Stefan Lohmann / regios24

Braunschweig.  Auch die Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf ist zu Gast. Sie dankt den Religionsgemeinschaften für die Integration von Flüchtlingen.

Mit Vertretern von den drei Religionen, Islam, Christentum und Judentum sowie Gästen wurde jetzt im Altstadtrathaus das Fastenbrechen während des islamischen Fastenmonats Ramadan gefeiert. Gastgeber war der Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig und damit erstmals in dieser Funktion Thorsten Kornblum.

In jedem zweiten und dritten Jahr lädt dann jeweils der vor elf Jahren gegründete Rat der Muslime in Braunschweig zu dem ,Iftar’ genannten abendlichen Mahl nach Sonnenuntergang ein. „Wir haben diesen Rhythmus damals so vereinbart“, erklärte Saban Yabas, Vorsitzender des Rates. Dieser besteht aus Vertretern der fünf größten islamischen Gemeinden in der Stadt.

Muslime aus 23 Nationen

„In Braunschweig leben Muslime aus 23 Nationen“, sagte Yabas. Ziel des Rates sei es, untereinander Anerkennung und Wertschätzung zu erreichen und zu verbessern und vor allem auch gegenüber anderen Religionen. „Es gibt Herausforderungen und durchaus noch viel zu tun“, räumte der Vorsitzende ein.

Besucher der Veranstaltung in der Dornse, dem festlichen Saal des Altstadtrathauses, empfanden die Atmosphäre während des Fastenbrechens als „entspannt“ und „freundschaftlich“. Der evangelische Propst Lars Dedekind übermittelte „Grüße aus der christlichen Ökumene“ und verwies darauf, dass Fasten in allen großen Religionen verankert sei, im Christentum vor Ostern und Weihnachten – wobei dies im Advent in den Hintergrund geraten sei.

Passend dazu betonte Nathan Voigt, Vertreter der jüdischen Gemeinde, dass „die traditionelle Religionsausübung in einer immer säkulareren Welt nicht ganz einfach“ sei.

Zeichen der Friedenshoffnung

Die Stadtgesellschaft halte zusammen, betonte Kornblum. Er erlebe den Ramadan und Fastenzeiten anderer Religionen als „Zeit der inneren Einkehr und Besinnung“. Der OB betonte: „Wenn wir unsere religiösen Feste miteinander feiern, ist das ein starkes Zeichen der Friedenshoffnung und der Toleranz.“

Als prominente Rednerin war Doris Schröder-Köpf, niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, gekommen. Sie betonte, jede Fastenzeit eigne sich als Zeit des Nachdenkens und damit auch des Mitgefühls, der Demut und der Erkenntnis. In „bewegten Zeiten“, womit sie vor allem den Krieg in der Ukraine meinte, aber auch die lange Corona-Auszeit, seien „Begegnungen“ wie jetzt beim nach zwei Jahren Pause wieder aufgenommenen Treffen zum Fastenbrechen durch nichts zu ersetzen. „Sie erweitern unsere Gedanken und Gefühle, erleichtern interkulturelle und religiöse Dialoge.“ Unterschiede sollten nicht als trennend, sondern stets als bereichernd wahrgenommen werden.

Schröder-Köpf dankte generell den Religionsgemeinschaften im Land, dass sie „aktuell und schon lange sehr die Aufnahme und Integration von Geflüchteten unterstützen – übrigens in jeder Stadt mit anderen Facetten“.

Die Landtagsabgeordnete mahnte außerdem zur Einsicht: „Wir in Deutschland werden oft als privilegiert wahrgenommen. Darüber darf aber nicht vergessen werden, dass vielleicht auch wir mal wieder die Hilfe von anderen brauchen.“

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Ramadan endet am 1. Mai abends

Das Fastenbrechen jetzt im Altstadtrathaus kennzeichnete noch nicht das Ende des Ramadan, sondern die während des Fastenmonats übliche abendliche Mahlzeit der Muslime. Gläubige verzichten in der Regel – Ausnahmen können etwa schwere Arbeit, Krankheit oder Schwangerschaft sein – vor Sonnenuntergang auf Mahlzeiten und auch auf Getränke. Erst um kurz nach halb neun abends wurden die Wasserflaschen auf den festlich gedeckten Tischen in der Dornse geöffnet und damit auch ein Buffet.

Etliche männliche Muslime nutzten zuvor die Gelegenheit, gemeinsam mit einem Imam in einem Nebenraum auf Gebetsteppichen zu beten. Frauen hätten sich hinter den Männern platzieren können, berichtete eine Muslimin auf Nachfrage, doch da lagen keine weiteren Gebetsteppiche.

„Das macht aber nichts“, klärte sie auf, „wir können später beten.“ Für das Abendgebet stehe ein Zeitraum von anderthalb Stunden zur Verfügung. Es könne also auch nach dem ,Iftar’ erfolgen. Der Begriff wird außerhalb des Ramadan auch für ,Frühstück’ verwendet.

Der Fastenmonat endet diesmal am Abend des 1. Mai, das Zuckerfest schließt sich an. „Es wird mit einem Gottesdienst in den Moscheen und dann meist in den Familien gefeiert“, so Yabas. Das Fasten ist eine der fünf Säulen im Islam.

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