Mord an Zakia M.: Über 30 Hinweise in weniger als 24 Stunden

Gifhorn.  Nach der TV-Ausstrahlung von „Aktenzeichen XY...ungelöst“ am Mittwochabend verschafft sich die Polizei Gifhorn einen Überblick.

Moderator Rudi Cerne behandelte in seiner Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ am Mittwochabend auch den Mordfall an Zakia Mansour im Kreis Gifhorn.

Moderator Rudi Cerne behandelte in seiner Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ am Mittwochabend auch den Mordfall an Zakia Mansour im Kreis Gifhorn.

Foto: Daniela König / Screenshot

„Sie flog von Tunesien nach Deutschland, um ihr Glück hier zu suchen – gefunden hat sie den Tod“ – mit diesen Worten leitete „Aktenzeichen XY“-Moderator Rudi Cerne am Mittwochabend im ZDF den Beitrag ein, in dem die brutale Ermordung von Zakia Mansour im Landkreis Gifhorn und die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Mordkommission mit Schauspielern rekonstruiert wurden.

Seit Mittwochabend hat Krimimalhauptkommissar Frank Bauerfeld, der die Mordkommission Eickhorst II leitet, alle Hände voll zu tun, sich einen Überblick über die eingegangen Hinweise zu verschaffen. Während und nach der Sendung stand das Telefon bei der Gifhorner Polizei bis halb zwölf nachts nicht still, bis Donnerstagnachmittag lagen schon mehr als 30 Hinweise vor.

Das Opfer ist Zakia Mansour

Ob etwas Brauchbares dabei ist und zu einer heißen Spur führt, wird die Polizei jetzt in Ruhe auswerten. Dass sich so viele Bürger gemeldet haben, freut Bauerfeind. Zum Vergleich: Im Sommer, als der Fall schon einmal in der Sendung thematisiert wurde, erreichten die Polizei lediglich zwei bis drei Hinweise. „Bestimmt hat der aufwendige Film dazu beigetragen – und vielleicht haben durch Corona jetzt auch mehr zugeschaut als im Sommer“, mutmaßt Bauerfeld. 6 Millionen Zuschauer haben die Sendung diesmal verfolgt. Offenbar hat sich durch die Ausstrahlung jetzt eine Imbissbesitzerin im Umkreis des Tatortes gemeldet, der ein Mann aufgefallen sei, weil er in ständig wechselnder Frauenbegleitung dort zu Gast war. Zudem wurde der Polizei der Name eines weiteren Ex-Mitarbeiters der Salzgitteraner Disco genannt. Vielleicht kann er sich an Zakia Mansour erinnern? Der ehemalige Betreiber der 2005 abgerissenen Disco „Nanu“ konnte es nicht.

Nicht mal zwei Wochen war die 28-Jährige erst in Deutschland, bevor sie am 25. Dezember 1994 ermordet wurde. „Mama, wer hat dir das nur angetan?“, will ihr Sohn, den seine Mutter mit sechs Jahren in Tunesien zurückließ und später nachholen wollte, wissen. Durch seine Vermisstenanzeige, die der inzwischen 31-Jährige erst 25 Jahre später aufgab, konnte die Polizei die Identität einer übel zugerichteten Leiche endlich feststellen: Es war Zakia Mansour. Nach einer Ausstrahlung im Juli zu dem Fall griff die Redaktion der Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ den Mord jetzt erneut auf.

Tatort: Feldweg an der Kreisstraße 59 in Eickhorst

Der Fall in Kürze: Am 13. Dezember 1994 stieg die 28-Jährige Zakia Mansour in Monastir in Tunesien in einen Flieger nach Deutschland. Dort wollte sie ein glückliches Leben führen – und sobald sie Fuß gefasst hat, ihren Sohn nachholen. Doch es geschah nichts. 25 Jahre vergingen, in denen er, seine Tante und seine Großeltern annahmen, Zakia habe sich eben für ein Leben ohne ihre Familie entschieden. Auf Drängen seiner Frau schließlich gab der Sohn schließlich eine Vermisstenanzeige auf – und brachte die Mordkommission damit ein großes Stück voran. Der Name konnte einer Leiche zugeordnet werden, die am 26. Dezember 1994 in einem Wasserloch im Vordorfer Ortsteil Eickhorst im Landkreis Gifhorn gefunden wurde. Das Abstammungsgutachten war eindeutig.

Ihr Gesicht war übel zugerichtet, es wurde mit einem scharfkantigen Gegenstand zertrümmert. Danach wurde sie in ein halb zugefrorenes Wasserloch geschleift, wo sie schließlich ertrank. Tatort war am 25. Dezember ein Feldweg in der Nähe der Kreisstraße 59 in Eickhorst. An dem Tag trug sie ein schwarzes Samtkleid, eine Strumpfhose und Wildlederstiefel, wie Bauerfeld zusammenfasst. Auffällig war ihr viel zu großer, brauner Wollmantel. Bei einer Körpergröße von nur 1,51 Meter trug sie Größe 46, der Mantel war notdürftig gekürzt.

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Daten wurden gelöscht

In dem Film wird klar, dass sie am Tag ihrer Landung am 13. Dezember einen Bekannten in Salzgitter traf und dort übernachtete. Der fuhr sie am Folgenach nach Wolfsburg, wo sie ebenfalls bei einem Mann die Nacht verbrachte. Mit beiden Personen hat die Polizei bereits gesprochen, weitere Erkenntnisse ergaben sich daraus aber nicht. Nach Medienveröffentlichungen meldete sich ein weiterer Zeuge, der Zakia Mansour in der Lebenstedter Disco „Nanu“ am 16./17. oder am 23. Dezember 1994 gesehen haben will. Der ehemalige Betreiber der Disco, die 2005 abgerissen wurde, kann sich an Mansour nicht erinnern.

Am 24. Dezember, dem Abend vor ihrer Ermordung, war das Opfer vermutlich asiatisch essen. Die Reifenspuren deuten darauf hin, dass der oder die Mörder einen BWM 5er oder 7er gefahren haben.

Bauerfeld sucht jetzt Hinweise zu einer Frau, die eine Schlüsselfigur sein könnte. Denn Zakia Mansour hatte noch im Flieger eine Wolfsburgerin kennengelernt, mit der sie sich nach ihrer Ankunft in Hannover noch treffen wollte. Ob es dazu kam, ist unklar. Laut dem Landeskriminalamt München war es nicht möglich, an die Liste der Fluggäste zu gelangen. Die Daten wurden innerhalb der letzten 25 Jahre gelöscht.

Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt

Der Leiter der Mordkommission erhofft sich von Zeugen Fotos von dem Abend, an dem das Opfer in der Salzgitteraner Disco war. Zudem rätselt die Polizei, ob ihr Mord in Zusammenhang mit dem Verschwinden von Ganya Thielke aus Wolfsburg steht, von der seit 25. Dezember 1994 jede Spur fehlt. Die Prostituierte mit dem Spitznamen „Noc“ wurde zuletzt an Heiligabend im Steintorviertel in Hannover gesehen. Bauerfeld fragt: Hat sie jemand am 25. Dezember nach Mitternacht gesehen? Und wer hat die beiden Frauen womöglich zusammen im Dezember im Bereich Wolfsburg oder Salzgitter gesichtet oder persönliche Gegenstände aufgefunden?

Wer Hinweise hat, wendet sich an die Polizeiinspektion Gifhorn unter (05371) 9800 oder schreibt eine E-Mail an die TV-redaktion xy@zdf.de, die die Hinweise an die Polizei weiterleitet. Es ist eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. In der ZDF-Mediathek ist der Beitrag online zu sehen.

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