In Söllingen wachsen die Zuckerrüben der Zukunft

Söllingen.  Das Saatzuchtunternehmen Strube prägt mit seinem Betriebsgelände das Bild der kleinen Gemeinde Heeseberg.

Ein Mitarbeiter des Saatgut-Unternehmens überprüft die aufgehende Weizensaat, die in gleichmäßigen Parzellen gepflanzt wurde. 

Ein Mitarbeiter des Saatgut-Unternehmens überprüft die aufgehende Weizensaat, die in gleichmäßigen Parzellen gepflanzt wurde. 

Foto: Strube D&S GmbH

Grün ist es rund um Söllingen. Am östlichen Rand von Niedersachsen, südlich des Naturparks Elm-Lappwald und in der Nachbarschaft von Schöningen mit dem Paläon und den Urzeitspeeren, sitzt die Strube D & S GmbH und prägt auf ganz eigene Weise das Umland.

Wer über die Bundesstraße 244 aus Norden nach Söllingen fährt, sieht gleich am Dorfeingang das „Forum“: In einer alten Zuckerrübensaftfabrik aus dem 19. Jahrhundert befindet sich heute die Vertriebs- und Marketingzentrale des Unternehmens, das vor allem für seine Weizen- und Zuckerrübensorten bekannt ist.

Die frühere Fabrik stand schon, bevor die Familie Strube nach Söllingen kam. Im Jahr 1945 musste sie ihren Stammsitz im 20 Kilometer entfernten Schlanstedt verlassen und sowjetischen Besatzern überlassen.

Dort hatte Friedrich Strube 1877 mit der Auslesezüchtung begonnen. Bemerkenswert an den frühen Züchtungen ist, dass Gregor Mendel erst wenige Jahre zuvor die Vererbungsregeln erkannt hatte.

Mittlerweile gehören auch das Saatgut von Sonnenblumen, Speiseerbsen und Zuckermais zum Sortiment. Weltweit – Saatgut aus dem Hause Strube wird in 35 Länder vertrieben – sind über 250 verschiedene Sorten im Programm.

Um immer wieder neue, verbesserte Sorten auf den Markt bringen zu können, betreibt die Firma Strube heute mehrere Forschungslabore. Einige davon auch in Schlanstedt, dem früheren Stammsitz.

Nach der Wende konnte ein Teil der früheren Besitztümer zurückerworben und eine Zweigfiliale eingerichtet werden. Damit ist das Unternehmen sowohl in Niedersachsen, als auch in Sachsen-Anhalt vertreten.

An beiden Standorten sind insgesamt 390 Mitarbeiter tätig, darunter 27 Auszubildende in den Ausbildungsberufen Industriekauffrau/-mann, Fachkraft für Lagerlogistik, Pflanzentechnologe/-in, IT-Systemelektroniker/-in und Fachinformatiker/-in für Anwendungsentwicklung. Dazu kommen Mitarbeiter im nationalen und internationalen Außendienst.

Noch vor einem Jahr fürchteten viele der Mitarbeiter, dass ihr Arbeitsplatz bald geräumt werden müsste, denn durch einen Rechtsstreit mit einem ehemaligen Kooperationspartner geriet das Traditionsunternehmen in eine Schieflage.

Im April 2018 wechselte die Firma in einer übertragenen Sanierung die Eigentümer. Das französische Unternehmen Deleplanque & Cie, das schon früher für Strube Saatgut vermehrte, übernahm 60 Prozent der Unternehmensanteile. Die anderen 40 Prozent übernahm das hessische Unternehmen Suet Saat- und Erntetechnik, ein vieljähriger Partner von Strube bei der Behandlung, Pillierung, Verpackung der Zuckerrübensamen sowie die Versandlogistik. Die Mitarbeiter wurden ebenfalls übernommen, doch die Geschäftsführerin in fünfter Generation und Ur-ur-Enkelin des Gründers Friedrich Strube, Sina Isabel Strube, musste das Unternehmen verlassen. Ihr Mann, Christian Putensen-Strube, schied schon einige Monate zuvor aus der Geschäftsführung aus. Mit dem Verkauf endeten die Rechtsstreitigkeiten, welche die Existenz des Unternehmens bedroht hatten.

Neben den beiden Geschäftsführern von Deleplanque und Suet, Eric Verjux und Christian Knolle, stieg der Finanzmanager Gregor Schoeß in die Geschäftsführung der Nachfolgegesellschaft Strube D & S GmbH – so die neue Bezeichnung – ein und führte das Unternehmen durch den Übergangsprozess. Ähnlich wie es schon bei dem Saatgut für Zuckermais und Speiseerbsen der Fall ist, will sich das Unternehmen in Zukunft auf den internationalen Vertrieb von Sonnenblumensaatgut konzentrieren. Die Züchtung und Vermehrung wird an Partner abgegeben. Die eigene Züchtungsprogramme für Zuckerrübe und Weizen sollen erhalten bleiben. Das Investitionsprogramm die Zweigstelle Schlanstedt soll ebenfalls fortgeführt werden.

Im Februar dieses Jahres löste Martin Reisige Schoeß in der Geschäftsführung ab. Der 57-jährige Diplom-Kaufmann leitete zuvor ein eigenes Unternehmen, das Impfstoffe und Nahrungsergänzer an Tierärzte vertrieb, und freut sich nach eigenen Angaben auf die neue Aufgabe. „Die Lage im Landkreis Helmstedt ist eine besondere Stärke“, lobt er.

Die lange Geschichte des Unternehmens ist oftmals auch mit den Familiengeschichten der Mitarbeitern verbunden, die seit mehreren Generationen für Strube arbeiten. „Dies ist ein großer Erfahrungsschatz, der uns zu immer neuen Ideen führt“, so Reisige, der selbst verheiratet ist und zwei Kinder hat. Dazu betont er, dass Strube weiter auf der Suche nach Mitarbeitern ist, die das Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene weiterentwickeln wollen. In Zukunft könnten auch neue Geschäftsfelder erschlossen und das Sortiment erweitert werden. Das übergeordnete Ziel der neuen Geschäftsführung sei es, die Unternehmensgruppe wettbewerbsfähig zu halten.

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