Lavie in Königslutter gründet ersten Inklusionsbetrieb

Königslutter.  Bis das Landschaftspflege-Unternehmen Lavie grün starten konnte, war es ein langer Weg. Es ist der erste Inklusionsbetrieb im Kreis Helmstedt.

Geschäftsführerin Corinna Wollenhaupt und Betriebsleiter Heiko Weber.

Geschäftsführerin Corinna Wollenhaupt und Betriebsleiter Heiko Weber.

Foto: Sebahat Arifi

Viele Jahre Vorlaufzeit waren nötig, bis die Lavie grün gGmbH endlich gegründet werden konnte. Doch seit dem 1. Juli gibt es mit der Tochtergesellschaft der Lavie Reha in Königslutter einen echten Inklusionsbetrieb. Den bisher einzigen im Landkreis Helmstedt, wie Geschäftsführerin Corinna Wollenhaupt in einem Gespräch betont.

Inklusionsbetrieb bedeutet, dass mindestens 40 bis 50 Prozent der Mitarbeiter eine Schwerbehinderung aufweisen müssen. In Niedersachsen ein sehr schwerfälliges Thema, wie Wollenhaupt klar stellt. Von der konkreten Antragsstellung bis zur jetzigen Umsetzung habe es zweieinhalb Jahre gedauert. Der Aufwand für eine Gründung sei enorm. Wohl auch deshalb gebe es kaum Inklusionsbetriebe.

Doch für Lavie sei das schon lange ein Thema gewesen. „Wir haben uns bestimmt 10 bis 15 Jahre lang damit beschäftigt. Nur fehlte uns immer eine gute Geschäftsidee“, berichtet Wollenhaupt. Und dann habe der Zufall mit Heiko Weber einen Glücksfall geliefert.

20 Jahre lang war der diplomierte Forstwirt selbstständig und arbeitete als Ein-Mann-Betrieb für Städte und Gemeinden oder Naturschutzbehörden. Meist in Umweltbelangen, erläutert der 48-Jährige. Oft auch im schwierigen Gelände, zum Beispiel in Mooren, an steilen Hängen oder in Sonderbiotopen.

Diese Sondereinsätze seien ein großes Pfund für die Firmengründung gewesen, betont Wollenhaupt und ist froh über die Zusammenarbeit mit Heiko Weber, der nun Prokurist des neuen Tochterunternehmens ist. Der Kontakt sei durch Webers Frau zustande gekommen, die bei Lavie arbeitet und in einer Zeit, als er selbst darüber nachgedacht habe, wie es mit seiner Selbstständigkeit weiter gehen könnte. „Man wird ja auch älter“, sagt er.

Gestartet ist die Firma nun mit vier Mitarbeitern, zwei davon weisen eine Schwerbehinderung auf. Weitere Bedingungen für eine Anstellung sind, dass sie aus der Arbeitslosigkeit kommen und auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbar sind. „In unserem Fall sind es Menschen mit seelischen Erkrankungen, weil das ja auch unser grundsätzliches Arbeitsfeld ist“, betont Geschäftsführerin Wollenhaupt.

Auch deshalb sei die Idee, einen Garten- und Landschaftspflege-Betrieb zu gründen, gut gewesen. „Es ist eine körperlich anstrengende Arbeit, aber eben in der Natur und an der frischen Luft. Es ist keine komplexe Arbeit am Rechner, die so viele so beansprucht“, erläutert sie.

Heiko Weber zeigt sich glücklich mit dem Start. Für ihn persönlich bedeutet es einen geregelten Arbeitstag und endlich wieder auch Kollegen um sich herum zu haben. Für die Arbeit mit den Schwerbehinderten bedeutet es, andere Maßstäbe anzusetzen. Einen normalen Arbeitstag halten die Erkrankten meist gar nicht durch, weil die seelische Belastung zu hoch ist. Sie müssen zunächst an eine Grundkondition herangebracht werden. Derzeit absolvieren die beiden Mitarbeiter Helfertätigkeiten. Aber: „Wir wollen sie auch an die Maschinenarbeit heranführen“, betont Weber. Es sind eben echte Angestelltenverhältnisse.

Für die ersten Jahre ist der Betrieb finanziell abgesichert, wie Corinna Wollenhaupt erläutert. Vom Integrationsamt des Landes sowie einem Förderprogramm der Aktion Mensch gibt es 130.000 Euro für Investitionen. Zusätzlich stellt die Aktion Mensch 250.000 Euro auf fünf Jahre für die Personalkosten. Mittelfristig soll Lavie grün wachsen, auf zwölf bis 13 Mitarbeiter in den nächsten drei Jahren. Und auf eigenen Beinen stehen. Aber vor allem auch eines: „Wir möchten Vorbild für weitere Inklusionsbetriebe sein.“

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