Junge aus Altena sammelt zum Geburtstag Spenden fürs Hospiz

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Leonardo Emilian Meyer-Welz (vorne, links) sammelt zu seinem 10. Geburtstag Spenden für die ambulante Kinderhospizarbeit in Wolfsburg. Seine Familie, Vater Tim, Mutter Olivia und Bruder Louis, unterstützt ihn dabei. Keine Geschenke, aber Geld für den guten Zweck.

Leonardo Emilian Meyer-Welz (vorne, links) sammelt zu seinem 10. Geburtstag Spenden für die ambulante Kinderhospizarbeit in Wolfsburg. Seine Familie, Vater Tim, Mutter Olivia und Bruder Louis, unterstützt ihn dabei. Keine Geschenke, aber Geld für den guten Zweck.

Foto: Erik Beyen

Altena.  Leonardo Emilian Meyer-Welz wird zehn Jahre alt und wünscht sich Spenden, um die Kinderhospizarbeit zu unterstützen

Am 14. Februar feiert der heute noch neun Jahre alte Leonardo Emilian Meyer-Welz aus Altena bei Bahrdorf seinen zehnten Geburtstag. Das wäre im Normalfall keine Nachricht für eine Tageszeitung, aber: Leo, so nennen ihn seine Freunde, will an diesem Tag keine Geschenke bekommen. Er sammelt Spenden, und zwar für die ambulante Kinderhospizarbeit und die Trostinsel des Hospizvereins in Wolfsburg. „Ich möchte das Geld gerne je zur Hälfte an das Hospiz und an die Trostinsel geben“, sagte der Junge bei einem Besuch unserer Zeitung. Bei dieser Gelegenheit erzählte er auch, wie er auf diese Idee gekommen ist. Die Geschichte dahinter ist tatsächlich eine sehr traurige.

Leonardo hat in seinen jungen Jahren bereits die Welt gesehen. Die Familie war in Südafrika, Brasilien und zuletzt in China. Bereits in Brasilien lernte er das wahre Leben kennen. „Er hat Menschen gesehen, die im Karton lebten oder auch Kinder mit Würmerbäuchen“, erzählt seine Mutter Olivia Meyer-Welz. Kurz: Leo kennt das Elend. Bereits in Brasilien entwickelte er seine soziale Ader, dies in erster Linie durch von seiner Mutter initiierte Aktionen. „Wir haben laufend Spenden für die Menschen in den Favelas gesammelt, und unsere Kinder waren immer mittendrin“, erzählt sie. Leos jüngerer Bruder Louis ist heute sieben Jahre alt.

Die zunächst letzte Station der Familie im Ausland war Peking in China. „Wir haben uns immer unter die Menschen dort gemischt“, erinnert sich Olivia Meyer-Welz. Wohl daher kommt die offene Art des Jungen: „Mich interessiert nicht, wie ein Mensch aussieht oder woher er kommt“, sagt er und ergänzt: „Ich fände es total cool, wenn ein paar Flüchtlinge zu uns kämen, damit ich mit ihnen spielen kann.“ Seine besten Kumpels sind übrigens nicht nur Deutsche, sondern Argentinier, Chinesen, Russen und Polen. Der polnische Junge geht mit ihm zusammen in die Schule. Im Gespräch zeigt sich: Leonardo ist ein sehr offener Mensch. Und so wundert es nicht, dass er überall dort, wo er, wenn auch nur für eine Weile, lebt, schnell Freunde findet. Genau so war das auch in Peking. Dort lernte er den neun Jahre alten Jonas kennen. Er war es, der Leo mit einem heute schwer kranken Jungen bekannt machte. Die beiden wurden während ihrer gemeinsamen Zeit in Peking zu echten Kumpels.

Der Name des Kindes ist der Redaktion bekannt. Wir nennen ihn Maximilian. Vor 18 Monaten kehrte dessen Familie zurück nach Deutschland. Das war der Zeitpunkt, als ein Hirntumor entdeckt wurde. Inzwischen ist klar: Maximilian wird in den nächsten Tagen wohl sterben. „Ich war traurig, aber auch ärgerlich“, sagt Leonardo. „Es ist nicht schön, dass wir uns nicht mehr sehen können.“

Maximilian verbringt seine letzten Tage in einem Hospiz. Vor wenigen Tagen haben die Ärzte auf seinen Wunsch hin die Medikamentengabe eingestellt. Er wird seinen nächsten Geburtstag nicht mehr erleben.

Für Leonardo ist das Gespräch über dieses Thema schwer. „Ich finde es so schlimm, dass von sowas so wenige Menschen wissen“, sagt er. Sonst müssten sie sich aus seiner Sicht auch engagieren. Und darum ruft er nun zu einer Spende für das Hospiz und die Trostinsel in Wolfsburg auf. „Es gibt auch bei uns so viele Menschen, die leiden. Außerdem will ich das Geld persönlich abgeben“, betont er.

Am Tag der Liebe, dem 14. Februar, erhofft sich der kleine Mann, der mehr Größe zeigt, als manch Erwachsener, nun kleine Gaben von möglichst vielen Menschen. „Ich gebe alles an das Hospiz und die Trostinsel weiter“, verspricht er. Um zu wissen, wohin das Geld geht, hat er sich am Dienstag mit Dagmar Huhnholz getroffen. Sie leitet die Trostinsel und ist Teil des sozialen Dienstes. Mit dabei war auch Petra Scholz-Marxen, Leiterin des Sozialdienstes. Ihnen will er das Geld persönlich überreichen. „Ich finde das richtig toll, dass die dort mit Kindern arbeiten, die einen Menschen verloren haben“, erzählt er. Wofür das Geld verwendet werden soll, haben ihm Huhnholz und Scholz-Marxen auch schon gesagt: Etwa für die Erfüllung letzter Wünsche sterbender Kinder sowie die Arbeit mit den Kindern in der Trostinsel.

Wer Leonardo Emilian Meyer-Welz bei seiner Aktion unterstützen möchten, darf sich bei seiner Mutter Oliva Meyer-Welz melden. Die E-Mail-Adresse lautet: oliviameyerwelz@yahoo.de. Seinen Geburtstag übrigens feiert Leo nicht daheim in Altena. Und schon jetzt hat er einige Unterstützer gefunden. Sogar ein Kumpel der Mama hat Geld gegeben, ganz nach Art eines echten Mathelehrers: 123,45 Euro.

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