Nur wer sich meldet, kann etwas bewegen

Lehre  Die Fluglärmkommission ist auf Beschwerden angewiesen.

Was hier fast malerisch aussieht, bedeutet für die Anwohner oftmals Lärm: Der Start einer Maschine vom Flughafen Braunschweig-Wolfsburg.

Was hier fast malerisch aussieht, bedeutet für die Anwohner oftmals Lärm: Der Start einer Maschine vom Flughafen Braunschweig-Wolfsburg.

Foto: Archiv

Im Schnitt 80 Flugzeuge pro Tag schweben über den Braunschweiger Himmel – genauer gesagt, wurden 29236 Flugbewegungen im Jahr 2016 verzeichnet. So steht es im jährlichen Bericht des Fluglärmschutzbeauftragten des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über den Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. Diese nüchternen Zahlen geben zunächst keinen Aufschluss darüber, was bei der Bevölkerung vom Flugverkehr ankommt. Denn das ist oft schlicht: Lärm.

„Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen beschweren würden“, sagt Marcus Behrens, CDU-Ratsherr in Lehre und Vorsitzender der Fluglärmkommission für den Braunschweiger Flughafen. Nicht, dass er sich mehr Störungen wünsche, natürlich. Aber: „Je mehr Menschen uns Hinweise darauf geben, wann sie sich in welcher Weise gestört fühlten, desto besser können wir darauf hinarbeiten, dass sich etwas ändert“, erklärt Behrens. In Braunschweig beispielsweise sei bereits eine Flugbahn verschoben worden, als Antwort auf anhaltende Bürgerbeschwerden. „Aber ohne Beschwerden lässt sich diese Diskussion nicht führen“, sagt Behrens.

Im Blick hat er dabei die Einflugschneise, die von Hehlingen nach Lehre führt. „Direkt über uns befindet sich das Drehkreuz für die großen Maschinen“, sagt Behrens, „hier drehen sie in Richtung der Landebahn ab.“ Er könne sich vorstellen, dass diese Einflugschneise womöglich verlegt werden könnte – wenn es einen Anlass gibt. „2016 sind 323 Beschwerden eingegangen“, sagt Behrens; teilweise seien dabei mehrere Ereignisse genannt worden. „Aber nur neun davon kamen aus Lehre. Daraus können wir nicht ablesen, wo genau die Probleme liegen.“

Um das zu erkennen, bräuchte man mehr Daten – sonst könne die Kommission keine Schlussfolgerungen ziehen. Behrens appelliert daher an seine Mitbürger, sich zu beschweren, wenn sie sich belästigt fühlen: Das Beschwerdeformular kann im Internet über die Webseite der Gemeinde heruntergeladen werden.

Derzeit beschäftigt die Fluglärmkommission vor allem die Platzrunde, die, so die Anregung der Kommission, auch zu Zeiten der inaktiven Kontrollzone – also am Wochenende – für die Piloten verbindlich sein soll. Die Platzrunde wird vor allem von Flugschülern genutzt; sie umkreisen den Flughafen auf einer Route, die maximal 30 Minuten Flugzeit umfasst. „Die Piloten fliegen dabei nach Sicht“, erklärt Behrens, „sehen dabei aber nicht, was sich direkt unter ihnen befindet.“ Die Ideallinie der Platzrunde führt genau zwischen Hondelage und Wendhausen hindurch. „Aber das ist eben nur eine Ideallinie – und so kommt es immer mal zu Fluglärm über Wendhausen“, so Behrens.

Wenn die Platzrunde auch am Wochenende verbindlich würde, hofft Behrens auf deutlich weniger Lärmbelästigungen – zusätzlich hätten Beschwerden, die in diesem Zeitraum eingehen, mehr Gewicht. Noch aber verzögert sich die Durchsetzung dieses Vorschlags: „Im Ministerium muss der Beschluss durch viele Instanzen“, sagt Behrens, „eigentlich hatten wir auch eine Veröffentlichung in diesem März gehofft.“ Jetzt ist erst im kommenden März, also 2018, mit einer Veröffentlichung zu rechnen.

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